Liebesopfer
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu.
Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und Modetheoretikerin Barbara Vinken befragt in ihrem Buch «Diva – Eine etwas andere Opernverführerin» nun zentrale Werke des Opernrepertoires nach Geschlechterkonzeptionen und Klischees und analysiert ihre Frauenfiguren auf durchaus eigenwillige, aber erhellende Weise.
Da ist zum Beispiel die Königin der Nacht aus Mozarts «Zauberflöte», jene kalte, rachsüchtige Mutter und Gegenspielerin des humanistisch gesinnten Sarastro. Für Vinken verweist diese rätselhafte Figur zurück auf die barocke Seria-Oper; deren hoch virtuosen Gesang versteht sie als bewusstes Zitat der damals schon aus der Mode kommenden Tradition des Kastratengesangs. «Die strahlenden Koloratur-Arien der Königin singen mit machtvollem Kastratensopran sämtliche männerbündischen Bässe in Grund und Boden. Alle behauptete Natürlichkeit und ganze Männlichkeit geht damit den Bach ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Regine Müller
Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören. «Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto...
Herr Gago, wie wird man Opern-Übersetzer?
Ich übersetze eigentlich hauptsächlich Literatur – zum Beispiel alle Bücher des New Yorker Musikpublizisten Alex Ross. Was die Opern-«Karriere» angeht, habe ich viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als die CD kam, übersetzte ich Hunderte von Booklets, mit Aufkommen der DVD dann zahllose...
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
