Liebesopfer
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu.
Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und Modetheoretikerin Barbara Vinken befragt in ihrem Buch «Diva – Eine etwas andere Opernverführerin» nun zentrale Werke des Opernrepertoires nach Geschlechterkonzeptionen und Klischees und analysiert ihre Frauenfiguren auf durchaus eigenwillige, aber erhellende Weise.
Da ist zum Beispiel die Königin der Nacht aus Mozarts «Zauberflöte», jene kalte, rachsüchtige Mutter und Gegenspielerin des humanistisch gesinnten Sarastro. Für Vinken verweist diese rätselhafte Figur zurück auf die barocke Seria-Oper; deren hoch virtuosen Gesang versteht sie als bewusstes Zitat der damals schon aus der Mode kommenden Tradition des Kastratengesangs. «Die strahlenden Koloratur-Arien der Königin singen mit machtvollem Kastratensopran sämtliche männerbündischen Bässe in Grund und Boden. Alle behauptete Natürlichkeit und ganze Männlichkeit geht damit den Bach ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Regine Müller
Perm bereitet sich auf seine 300-Jahr-Feier vor. Die Stadt, einst von Peter dem Großen als Zentrum der Metallgewinnung gegründet und seit 1916 Sitz der ersten Universität im Ural, scheint sich nicht damit zufriedengeben zu wollen, keine Rolle mehr als Zentrum der zeitgenössischen Kunst und Kultur zu spielen (wie es die restriktive Politik vorsieht). Mit aller Macht...
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