Liebesopfer
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu.
Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und Modetheoretikerin Barbara Vinken befragt in ihrem Buch «Diva – Eine etwas andere Opernverführerin» nun zentrale Werke des Opernrepertoires nach Geschlechterkonzeptionen und Klischees und analysiert ihre Frauenfiguren auf durchaus eigenwillige, aber erhellende Weise.
Da ist zum Beispiel die Königin der Nacht aus Mozarts «Zauberflöte», jene kalte, rachsüchtige Mutter und Gegenspielerin des humanistisch gesinnten Sarastro. Für Vinken verweist diese rätselhafte Figur zurück auf die barocke Seria-Oper; deren hoch virtuosen Gesang versteht sie als bewusstes Zitat der damals schon aus der Mode kommenden Tradition des Kastratengesangs. «Die strahlenden Koloratur-Arien der Königin singen mit machtvollem Kastratensopran sämtliche männerbündischen Bässe in Grund und Boden. Alle behauptete Natürlichkeit und ganze Männlichkeit geht damit den Bach ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Regine Müller
Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...
Uraufgeführt wurde Terence Blanchards Oper «Champion» 2013 im (mit 987 Plätzen mittelgroßen) Opernhaus von St. Louis. Nun, nach dem Erfolg von Blanchards «Fire Shut Up in My Bones», kam das Stück in einer «überdimensionalen» Version auf die Bühne der Met. Damit ist der Jazztrompeter und Filmmusikkomponist der erste Schwarze, von dem überhaupt eine Oper an der Met...
Das ultimative Idyll, vielleicht ist es auch nur eine Utopie, begegnet uns schon in Nummer zwei. «Es ruht so wohl, es ruht so warm», dichtete Eduard von Bauernfeld, von Franz Schubert in «Der Vater mit dem Kind» als klangliches Andachtsbild festgehalten. Und dass diese Minuten völlig kitschfrei gesungen werden, voller Wärme, inniglich und echt, vielleicht auch aus...
