Editorial
Fast jedes Jahr das gleiche Bild: Wenn wir im Spätsommer fünfzig Kritiker aus aller Welt bitten, die zurückliegende Saison zu bilanzieren, kommt die Opernmetropole Berlin schlecht weg. Immer wieder löst das konzeptionelle, finanzielle und politische Chaos, das die drei Häuser der Hauptstadt begleitet, ungläubiges Kopfschütteln aus. Natürlich gibt es auch Licht: Die Strategie der Komischen Oper, sich mit einem frischen Ensemble und Mut zum Risiko als «Werkstatt eines zeitgenössischen Musiktheaters» aufzustellen, trug ihr 2007 den Titel «Opernhaus des Jahres» ein.
Die Staatskapelle der Lindenoper gilt als eines der besten Orchester des Landes, der Chor der Deutschen Oper ist blendend in Form. Kurz: Die Institute verfügen über immenses künstlerisches Potenzial. Und doch überwiegen, betrachtet man die Berliner Opernlandschaft in toto, selbst zwanzig Jahre nach dem Mauerfall die trüben Farben. Noch immer ist es nicht gelungen, eine stabile Basis zu entwickeln oder klare Bedingungen und Ziele für eine gesicherte Zukunft zu formulieren.
Das hat mit dem Kleinmut von Politikern zu tun, die lieber Krisen verwalten, als mit Visionen auf einen Durchbruch zu drängen. Aber auch die Intendanten ...
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Die Krone ist ihm zu groß. Immer wieder schiebt Boris Godunow die monströse Kopfbedeckung nach oben, blickt sich verwundert um, als verstehe er gar nicht, was da passiert, während das Volk auf Befehl ihm, dem neuen Zaren, zujubelt. Bereits in den ersten Augenblicken wird klar: Dieser Mann ist ein Unbeteiligter. Eben hat er noch Trainingsanzug getragen, mehr...
Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann hat für ihre Inszenierung von Rossinis «Barbier von Sevilla» an der Commedia dell’arte Maß genommen. Herausgekommen ist allerdings wenig mehr als eine müde Posse. Originell geriet der Beginn, wenn Almavivas Ständchen auf die von ihrem Vormund Bartolo unter Verschluss gehaltene Rosina vom karikierten Auftritt...
Herr Spuck, was hat Sie bewogen, sich der Oper zuzuwenden? Ein äußerlicher Anlass? Innere Notwendigkeit?
Neugierde. Faszination eines Metiers, das ich schon immer mochte. Einer der Gründe, weswegen ich vor drei Jahren am Theater Heidelberg die Oper «Berenice» von Johannes Maria Staud inszeniert habe, war der Wunsch, intensiver an der Entwicklung der Bühnenfiguren zu...
