Editorial
Fast jedes Jahr das gleiche Bild: Wenn wir im Spätsommer fünfzig Kritiker aus aller Welt bitten, die zurückliegende Saison zu bilanzieren, kommt die Opernmetropole Berlin schlecht weg. Immer wieder löst das konzeptionelle, finanzielle und politische Chaos, das die drei Häuser der Hauptstadt begleitet, ungläubiges Kopfschütteln aus. Natürlich gibt es auch Licht: Die Strategie der Komischen Oper, sich mit einem frischen Ensemble und Mut zum Risiko als «Werkstatt eines zeitgenössischen Musiktheaters» aufzustellen, trug ihr 2007 den Titel «Opernhaus des Jahres» ein.
Die Staatskapelle der Lindenoper gilt als eines der besten Orchester des Landes, der Chor der Deutschen Oper ist blendend in Form. Kurz: Die Institute verfügen über immenses künstlerisches Potenzial. Und doch überwiegen, betrachtet man die Berliner Opernlandschaft in toto, selbst zwanzig Jahre nach dem Mauerfall die trüben Farben. Noch immer ist es nicht gelungen, eine stabile Basis zu entwickeln oder klare Bedingungen und Ziele für eine gesicherte Zukunft zu formulieren.
Das hat mit dem Kleinmut von Politikern zu tun, die lieber Krisen verwalten, als mit Visionen auf einen Durchbruch zu drängen. Aber auch die Intendanten ...
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Ein magischer Ort. Richard Wagner beschreibt ihn in seiner Autobiografie «Mein Leben» eher unverfänglich: «Wir waren uns jetzt durch die unmittelbare, eigentlich ländliche Nachbarschaft so nah gerückt, dass eine starke Vermehrung der Beziehungen bloß durch die einfache tägliche Berührung nicht ausbleiben konnte.» Sic! Wer sich heute in Zürich auf die Suche nach...
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit...
Auf ihrer Website stellt sie sich als Stimmsolistin, Schauspielerin, Sängerin und Cellistin vor. Salome Kammer hat diese Reihenfolge zweifellos bewusst gewählt. Dass die Vokalkunst, der experimentelle Einsatz der Stimme an erster Stelle steht, ergibt sich aus der Laufbahn dieser von vielen Musen geküssten Klangrednerin, die aus einem kinderreichen hessischen...
