Editorial
Was ist eigentlich ein «Traumpaar»? Anna Netrebko und Rolando Villazón sollen eines sein, meint die Plattenfirma, die mit beiden Umsatz machen will. Nachdem eine Open-Air-Tournee der beiden modifiziert werden musste, weil Villazón sich vorher übernommen hatte und mehrere Monate gar nicht singt, wird auch für den naiven Klassikfreund deutlich, was für ein enormer Vermarktungsdruck hinter einem scheinbar so harmlosen Begriff wie «Traumpaar» steckt. Auch Netrebko war gesundheitlich angeschlagen, hatte Auftritte vor der Tournee abgesagt.
Klar: Auf zwei Konzerte in Salzburg lässt sich leichter verzichten als auf die Masseneinnahmen von Massenveranstaltungen. PR-Strategen bringt so etwas natürlich nicht in Verlegenheit: «Drei Tenöre für Anna Netrebko» hieß flugs der neue Slogan, weil es keinen Villazón-Ersatz gab, der an allen Terminen frei war.
Der Begriff vom «Traumpaar» geht über künstlerische Leistungen hinaus. Er suggeriert eine private Vertrautheit, die im Fall von Netrebko und Villazón reine Marketing-Konstruktion ist. Bei Angela Gheorghiu und Roberto Alagna war die Implikation eine Zeit lang gedeckt. Aber dieses Duo zeigt auch, wie schnell Partnerschaften für die Klassik-Kasse ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein seelenwarmer Diener, der zumal bei steigendem Alkoholpegel alles in den falschen Hals bekommt – schon gar, wenn der Gatte der jungen Dame des Hauses per Leiter im Kleiderschrank seiner heimlich Angetrauten erscheint und den von ihrem Vormund favorisierten Möchtegern-Casanova auf Platz zwei verdrängt: «La scala di seta» (Die seidene Leiter) gehört zu den fünf...
In der Spätzeit der DDR lag Stralsund am Boden. Noch zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach der Wende, bot sich dem Besucher, der durch die Gassen der einstmals florierenden Hansestadt flanierte, ein Bild der Verheerung: blinde Fenster, bröckelnder Putz, löchrige Dächer, schimmelndes Holz – wüstes Terrain, wohin das Auge blickte. Und das mitten in jenem von der...
Angst- und Wunschtraumzauber
Wie Katharina Wagner und Robert Sollich bei den «Meistersingern» neue Hörperspektiven schaffen
chuhe sind normalerweise nicht das, worauf es bei einer Opernaufführung ankommt. Jedenfalls nicht auf der Bühne. Von den Choristen hat jeder zwei, drei Paar in der Garderobe. Das reicht aus, um vierhundert Jahre Operngeschichte zu durchqueren....
