Editorial

Opernwelt - Logo

Was ist eigentlich ein «Traumpaar»? Anna Netrebko und Rolando Villazón sollen eines sein, meint die Plattenfirma, die mit beiden Umsatz machen will. Nachdem eine Open-Air-Tournee der beiden modifiziert werden musste, weil Villazón sich vorher übernommen hatte und mehrere Monate gar nicht singt, wird auch für den naiven Klassikfreund deutlich, was für ein enormer Vermarktungsdruck hinter einem scheinbar so harmlosen Begriff wie «Traumpaar» steckt. Auch Netrebko war gesundheitlich angeschlagen, hatte Auftritte vor der Tournee abgesagt.

Klar: Auf zwei Konzerte in Salzburg lässt sich leichter verzichten als auf die Masseneinnahmen von Massenveranstaltungen. PR-Strategen bringt so etwas natürlich nicht in Verlegenheit: «Drei ­Tenöre für Anna Netrebko» hieß flugs der neue Slogan, weil es keinen Villazón-Ersatz gab, der an allen Terminen frei war.
Der Begriff vom «Traumpaar» geht über künstlerische Leis­tungen hinaus. Er suggeriert eine private Vertrautheit, die im Fall von Netrebko und Villazón reine Marketing-Konstruktion ist. Bei Angela Gheorghiu und Roberto Alagna war die Implikation eine Zeit lang gedeckt. Aber dieses Duo zeigt auch, wie schnell Partnerschaften für die Klassik-Kasse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit metaphorischem Haustier

Man muss schon eine ganze Weile suchen, bis man ihn in einem der heute gebräuchlichen Opernführer findet. Dabei hat der in Antwerpen geborene, später in Paris erfolgreiche Albert Grisar (1808-1869) immerhin achtzehn Bühnenwerke geschrieben. Zwei von ihnen brachte jetzt die für ihre Entdeckerfreude bekannte Kammer­oper in Neuburg an der Donau im Rahmen eines...

Klingende Zeitgeschichte(n)

Irgendwie mit Finnlands Geschichte im 20. Jahrhundert solle sie zu tun haben, die Opernuraufführung beim Festival von Savonlinna 2007. So lautete der Auftrag an den Komponisten Olli Kortekangas, der im Übrigen freie Hand für Stoffwahl und Gestaltung hatte. Drei runde Jubiläen waren der Anlass für den Kompositionsauftrag: 100 Jahre finnisches Parlament, 90 Jahre...

Die Nachtseiten der Oper

Das Programm der Salzburger Festspiele firmiert in diesem Jahr unter dem Titel «Die Nachtseite der Vernunft». Nach dem hellen Mozart-Reigen des vergangenen Sommers tauchte man in die dunk­len Abgründe menschlicher Exis­tenz. Zu dieser gehören auch Trivialitäten, zum Beispiel Absagen. Die Salzburger Festspiele, erstmals geleitet von Jürgen Flimm, erlebten eine...