Editorial
Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil differenzierte Urteile ohne analytischen (Sach-)Verstand nun einmal nicht zu haben sind.
Und doch: Musik kann zu einer «existenziellen Erfahrung» (Helmut Lachenmann) werden, die alles aufruft, was uns ausmacht: Körper und Seele, Individuum und Gesellschaft, Leben und Tod.
Die amerikanische Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson war eine Sängerin, die immer aufs Ganze ging. Wenn sie den Sesto in Händels «Giulio Cesare», Charpentiers Médée oder die «Neruda Songs» ihres Ehemanns Peter Lieberson vortrug, brannte in ihr ein Feuer, das unmittelbar auf die Zuhörer übergriff. Das hatte nicht nur mit dem berückenden Timbre der Stimme zu tun, nicht nur mit Technik und einer beeindruckenden Palette von Ausdrucksnuancen. Die Ausstrahlung dieser Künstlerin wurzelte in einer persönlichen Integrität, der jedes Posieren, jede kalkulierte ...
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Bis vor wenigen Jahren war sie noch auf der Bühne aktiv, und wer weiß, ob sie, die wir anlässlich ihres 75. Geburtstags als «komödiantisches Urgestein» gewürdigt haben, nicht noch einmal dorthin zurückkehrt. Mit dem Theater ist sie aufgewachsen, im Theater hat sie mehr als ein halbes Jahrhundert gewirkt. Dabei hat die Stimme in 57 Bühnenjahren diverse...
Der «Platz des Himmlischen Friedens» in Peking, einer der größten Plätze der Welt, ist für seine kommunistischen Monumentalbauten bekannt. Er rahmt den Blick auf die Verbotene Stadt, von der aus das chinesische Riesenreich über mehrere Dynastien hinweg regiert wurde. Seit 2007 das neue Nationaltheater eingeweiht wurde, bietet der «Tian-An-Men»-Platz erstmals auch...
Seit ihrer Entdeckung vor gut einem Jahrzehnt hat Zemlinskys Oper «Der König Kandaules» in der Rekonstruktion von Anthony Beaumont eine bemerkenswerte Karriere an überwiegend großen Häusern gemacht. Das experimentierfreudige Pfalztheater in Kaiserslautern demonstriert nun, dass auch ein kleines Haus sein Repertoire mit dem späten Meisterwerk des Wiener Komponisten...
