Editorial
Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil differenzierte Urteile ohne analytischen (Sach-)Verstand nun einmal nicht zu haben sind.
Und doch: Musik kann zu einer «existenziellen Erfahrung» (Helmut Lachenmann) werden, die alles aufruft, was uns ausmacht: Körper und Seele, Individuum und Gesellschaft, Leben und Tod.
Die amerikanische Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson war eine Sängerin, die immer aufs Ganze ging. Wenn sie den Sesto in Händels «Giulio Cesare», Charpentiers Médée oder die «Neruda Songs» ihres Ehemanns Peter Lieberson vortrug, brannte in ihr ein Feuer, das unmittelbar auf die Zuhörer übergriff. Das hatte nicht nur mit dem berückenden Timbre der Stimme zu tun, nicht nur mit Technik und einer beeindruckenden Palette von Ausdrucksnuancen. Die Ausstrahlung dieser Künstlerin wurzelte in einer persönlichen Integrität, der jedes Posieren, jede kalkulierte ...
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Herr Kaufmann, Cavaradossi ist ein Maler. Malen Sie selbst eigentlich auch?
Nur für meine Kinder, die geben ungefähr fünf Raketen pro Woche bei mir in Auftrag. Aber dass ich es früher nie ernsthaft versucht habe, lag wohl einfach daran, dass meine Schwester das viel besser konnte. Sie hat so gut gemalt, dass sie durchaus etwas daraus hätte machen können. Aber dann...
Christof Loys Göteborger Inszenierung der «Arabella» (siehe OW 2/2007) hat Frankfurt erreicht und, dank einer sorgfältigen Einstudierung mit komplett neuer Besetzung, nichts von ihrem verstörenden Glanz eingebüßt. Trotz Strauss’ handwerklich gediegener, manchmal allerdings in seichten Operettengewässern fischender Musik bleibt kein schaler Nachgeschmack. Herbert...
Schon nach den ersten Takten ist klar, wer im neuen Hallenser «Don Carlo» den Ton angibt: So tonschön und ausdrucksstark ist der Klang, den der neue Chefdirigent Karl-Heinz Steffens mit seiner Staatskapelle formt, dass man ihm später kleinere Probleme wie das gelegentliche Übertönen der Sänger oder Koordinationsschwächen in den großen Chorszenen gern verzeiht. Das...
