Tödliches Schweigen
Der belgische Komponist Philipp Boesmans (Jahrgang 1936) hält unerschütterlich an der traditionellen Literaturoper fest. Raumklang, Klangtheater, Hör-Stücke, womit viele aktuelle Komponisten bevorzugt experimentieren, interessieren Boesmans nicht. Er braucht ein gutes Theaterstück, aus dem sich ein operngerechtes Libretto herstellen lässt. Solche Stücke hießen bei ihm bisher «Reigen» (nach Schnitzler, 1993), «Wintermärchen» (nach Shakespeare, 1999) und «Julie» (nach Strindberg, 2005).
Jetzt ist Witold Gombrowicz‘ tiefsinniges Schauspiel «Yvonne, Prinzessin von Burgund» hinzugekommen. Wie schon bei den genannten Werken hat wieder Luc Bondy das Libretto (in französischer Sprache) geschrieben, assistiert von Marie-Louise Bischofberger. Die Zusammenarbeit zwischen Boesmans, dem Librettisten Bondy und dem Regisseur Bondy funktioniert, im Hintergrund hält Gerard Mortier seine fördernde Hand über das Duo.
Boesmans ist als Komponist kein avantgardistischer Aufrührer. Er kann kultiviert schreiben, mit großem Klangsinn, auch für instrumentale Farben, mit sicherem Gefühl für gesangliche Lineaments, für Atmosphärisches. Abgründe reißt seine Musik nicht auf. Das Unerwartete tritt nicht ein. Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem...
Hoch hinaus wollte er schon als ganz junger Mann. Gerade fünfzehn war Christian Jost, da drückte er am Theater seiner Heimatstadt Trier als Ballettrepetitor die Klavierbank. Damals ahnte er bereits, dass der Begleitdienst an den Tasten auf Dauer nicht sein Ding war. So wenig wie eine Medizinerkarriere, die sich die Mutter so sehr wünschte. Oder ein...
