Zusammengeschoben
Alexander Borodins «Fürst Igor» ist ein Mythos der russischen Operngeschichte: ein nationales Epos, vom Meister unvollendet hinterlassen. Dieser Mythos vom titanischen Ringen beförderte das von Rimsky-Korsakow und Glasunow angeblich vollendete, in Wahrheit aber zum größeren Teil völlig neu komponierte Werk, ins Opernrepertoire – kein handelsüblicher Opernfüh-rer, der es nicht behandelte. Erst im 20.
Jahrhundert wagte man sich an das von Borodin hinterlassene chaotische Konvolut von Skizzen und Entwürfen – es gibt verschiedene Fassungen, die den Anspruch erheben, im Wesentlichen auf Borodins Material ohne spätere Zutaten zurückzugreifen. Doch solange keine kritische Gesamtausgabe und kein wissenschaftlich abgesicherter Rekonstruktionsversuch vorliegen, ist darüber keine Klarheit zu gewinnen – nicht einmal die Akteinteilung und die Reihenfolge der Szenen sind bekannt.
Was jetzt in Essen auf die Bühne kommt, ist mit zweieinhalb Stunden Spieldauer eine gute Stunde kürzer als die bisherigen Fassungen und entbehrt einer wirkungsvollen Dramaturgie ebenso wie eines sinnvollen musikalischen Aufbaus (nur ein Beispiel: Das zweite Bild bricht mittendrin ab, um unversehens in ein ...
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