Editorial
Es gibt drei Arten von Dramaturgen, lautet eine unter Theaterschaffenden kursierende ironische Gewissheit. Erstens den reinen Produktionsdramaturgen; er ist zuständig fürs Denken, schaut dem Regieteam bei den Proben mit Adleraugen über die Schulter, überprüft Schlüssigkeit und Sinnlichkeit der szenischen Ideen. Der zweite Typus kümmert sich vor allem ums Zwischenmenschliche, ist gewissermaßen sozial kompetentes «Mädchen für alles». Typus Nummer drei hat nur ein Ziel: den Spitzenjob; jede Minute seiner Theaterexistenz übt er für die Intendanz.
Ein solcher Typ ist Bogdan Roščić (52). Ab 2020 soll der Mann, so hat es Österreichs Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) kurz vor Weihnachten verkündet, die Leitung der Wiener Staatsoper übernehmen.
Roščić hat zwar nie als Dramaturg gearbeitet, kann auch sonst keinerlei Theatererfahrung vorweisen, aber mit Chefposten (und wie man sie erlangt) kennt sich der in Belgrad geborene Österreicher bestens aus. Nach der Promotion (mit einer Arbeit über Adorno) schreibt er für Wiener Tageszeitungen über Medien und Popmusik, mit 27 wird er Ressortleiter beim «Kurier», mit 29 geht er zum ORF-Hörfunksender Ö3, mit 32 ist er Boss der Pop-Welle. Nach wenigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
An diesen Arrangements klebt nicht nur das Fin de siècle, sondern – aus etwas schräger Sicht – wohl auch das Wiener Kaffeehaus. Obwohl sie nicht für diese Lokale geschaffen wurden, sondern für Arnold Schönbergs 1918 gegründeten «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Konzerte in den unterschiedlichsten Sälen stattfanden, darunter der Musikverein...
Die Frau, wir kennen sie. Stella, der Stern. Hoffmanns Idealgeliebte. Real erscheint sie nicht, nur als Phantasmagorie, als flammende Erinnerung des Dichters. Nach ihr sucht er, aber sucht er nicht vielmehr nach sich selbst? Es ist beides. Mit der Erzählung will er ihr nahekommen. Sie zurückerobern aus den Fängen der Gesellschaft, die sie unter ihrem Applaus...
Der Tod trägt zwei Kreuze. Wie bei Mimì. Jetzt verabschiedet sich auch Cio-Cio-San, ihre Schwester im Geiste, in h-Moll aus dem Diesseits – würdevoll, wie es die Tradition verlangt. Ihr Suizid bedeutet den Umschlag des Tragischen ins Erhabene, den Triumph des individuellen Willens. Wie hat es Kirilow, Dostojewskys Held, postuliert: Im Freitod liegt die einzige...
