Ecce Homo
Eine Menschenmenge. Immer mehr kommen aus den Seitengassen, junge Paare, Alte, Kinder, es hört einfach nicht auf. Normalerweise, oft im «Ring» ist das so, starren sie jetzt ins Publikum mit der stummen Frage: «Und ihr?» Doch wir sind nicht am Ende der «Götterdämmerung», sondern beim letzten Orchesteraufbauschen im «Rheingold». Und geschaut wird nach hinten, auf einen gotischen Hochaltar, in dem Wotan samt Sippe Platz genommen hat. Mit Helm, Speer und bauschendem Brokat, so wie es sich für orthodoxe Wagnerianer gehört.
Germanische Götter formieren sich zur christlichen Ikonostase – was für ein Bild!
Im Staunen darüber kommt man aus dem Denken nicht mehr heraus. Oft ist das so in dieser Premiere an der Bayerischen Staatsoper, wo Tobias Kratzer seinen heiß erwarteten «Ring» beginnt. Und dabei oft in wenigen Minuten, in wenigen Takten eine Fülle an Deutungsmöglichkeiten offeriert. Man kann sich fesseln lassen vom Witz, vom Augenzwinkern, von den Theatertricks der ersten Ebene. Und nimmt doch unerhört viel mit, wenn man Kratzers Tiefenbohrungen Millimeter für Millimeter folgt.
Gemeinsam mit Ausstatter Rainer Sellmaier entrollt Kratzer eine Multi-Ästhetik. Fantasy und Realität, ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel
Richard Strauss’ zehnte Oper gilt weithin als «Rosenkavalier zweiter Klasse». Das ist als Urteil über die Dramaturgie nachvollziehbar, denn der 1929 verstorbene Textdichter Hugo von Hofmannsthal hatte sein Libretto nicht mehr überarbeiten können. Die Uraufführung folgte erst 1933 in Dresden, fünf Monate nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Terror-Bande. Aber...
Regisseur Ralf Westhoff gab seinen Paaren seinerzeit fünf Minuten. Zum Befragen und Beschnuppern zwecks möglichem Funkenflug. Schließlich das Signal – und der Mann sitzt vor einer neuen Frau. «Shoppen», hieß der Film, und nicht viel anders funktioniert das, was Jonas Kaufmann nun auf Silberscheibe brennen ließ. Ein Speed-Dating in Sachen Puccini. «Love Affairs» ist...
JUBILARE
Beat Furrer wuchs in Schaffhausen auf und erlernte zunächst an der Musikschule Klavier. Im Jahr 1975 ging er mit Anfang 20 nach Wien, um dort Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati und Dirigieren bei Otmar Suitner zu studieren. 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der...
