Durchaus leidenschaftlich und phantastisch
Ein hochsommerlicher Tag in Dresden. Gefühlt 30 Grad. Immerhin säuselt, fast unhörbar, ein Wind durch die Bäume am Straßenrand. Es ist eine auf den flüchtigen Blick angenehm ruhige Gegend, zehn Straßenbahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Lydia Steier wohnt. Doch der Schein trügt. Draußen vor der Tür hängen die Plakate für die Sachsen-Wahl, leider auch solche der rechtsextremen AfD, die schon im Stadtrat die Mehrheit hat und nun drauf und dran ist, ihren gefährlichen politischen Einfluss weiter auszudehnen.
Drinnen, hinter der Tür, ist davon zum Glück nichts mehr zu spüren. Aber da wartet, kaum zu glauben, aber wahr, ein Bär. Naja, nicht ganz und auch alles andere als bedrohlich. «Bear», so sein bürgerlicher Name, ist eine melancholisch dreinblickende französische Bulldogge, gut elf Jahre alt und vermutlich einer der freundlichsten Hunde der Welt. Zudem ein echter Opernfreak. Bear spielte schon Maskottchen bei «Faust»-Verleihungen, lag bei Premierenfeiern in den Armen von Operndiven, hat etliche Häuser durch den Bühneneingang betreten und sieht nun seinem wohlverdienten Ruhestand entgegen, der vorwiegend in einem kuscheligen Körbchen stattfindet, weil dem Guten langsam die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Regisseurin des Jahres, Seite 30
von Jürgen Otten
Søren Kierkegaard könnte helfen. In seinem Traktat «Die Wiederholung» bat er seine Leserinnen und Leser fast inständig darum, nicht an Dingen zu verzweifeln, die immer wieder aufs Neue vor ihnen stünden und sie an die Vergänglichkeit des Seins erinnerten. Man müsse, so der dänische Philosoph, Prosaist und dialektisch begabte, evangelisch-lutherische Theologe (dem...
Es ist großartig, John Osborn in einer Verdi-Rolle zu erleben, gerade weil das nicht seine Kernkompetenz ist. Den Alfredo in «La traviata» singt der US-Amerikaner darum so leicht und lyrisch, wie diese Rolle fast nie zu hören ist, es klingt eher französisch als italienisch; kein Schmettern nirgends. Seine Stimme wirkt aber auch nicht anämisch, sondern kernig, dazu...
Den «Parsifal» in Bayreuth zu dirigieren, ist nicht irgendein Engagement. Wagner hat das Stück speziell für den verdeckten Orchestergraben geschrieben und die ganz besondere Akustik des Festspielhauses. Die Aufführungsgeschichte ist voller Kontraste. Was Wagner für die Uraufführung 1882 mit dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi erarbeitete, wurde später vom...
