Durch alle Seelentöne

Musik, die ihrer Zeit voraus ist: Das Badische Staatstheater Karlsruhe zeigt in Deutscher Erstaufführung «Phèdre» von Jean-Baptiste Lemoyne. In der Titelpartie glänzt Ann-Beth Solvang

Opernwelt - Logo

Ins Labyrinth ihrer Obsession verstrickt erscheint die Titelheldin bereits in der Ouvertüre: Der Regisseur Christoph von Bernuth widersteht allen Fallstricken einer fast schon zur Routine gewordenen Idee, pantomimisch ganze Vorgeschichten zu erzählen. Stattdessen nur das hundertfach gespiegelte Wort Hippolyte – ein Irrgarten, in dem gleich in der ersten Szene das Objekt der am Ende tödlichen Begierde in arglos-froher Jagdgesellschaft erscheinen wird.

Eben diese Verstrickung wird zum visuellen Leitmotiv des Werks: Drei Akte lang werden wir Phè-dre immer wieder eingeschlossen in ein Guckkastenkabinett erleben, dessen Boden und Wände sie manisch mit dem Namen des unerreichbaren, geliebten Stiefsohns beschmiert. Und wenn sie im dritten Akt daraus auszubrechen und bei einer teilnahmlosen Bevölkerung menschliche Regungen zu erwecken versucht, bringt die Drehbühne sie doch wieder gnadenlos in ihr emotionales Gefängnis zurück. Bernuths Regie und die Bühne von Oliver Helf finden immer wieder solche großen, aus einfachen Formen und Bewegungen entwickelte Konstellationen. Symbolträchtig sind sie, meist eher abstrakt als erzählerisch, immer aber treffen sie präzise den dramatischen Punkt.

Und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 3/25

Man staunt nicht schlecht angesichts der jüngeren Vorfälle an der Berliner Alice Salomon Hochschule (ASH), wo sogenannte «linke» propalästinensische Aktivisten ungestört zur Intifada aufriefen und Zionisten zu unerwünschten Personen erklärten, ohne dass die Hochschulleitung mäßigend eingegriffen hätte. Man staunt über die Chuzpe derer, die den täglich zunehmenden...

Nicht nur für einen Tag

Unter den Werken seiner berühmten Galeerenjahre gilt Verdis Opera buffa «Un giorno di regno» als der Worstseller. Die Verwechslungskomödie um den «falschen» polnischen «König für einen Tag» entpuppte sich als Oper für einen Tag, fiel sie doch bei ihrer Premiere am 5. September 1840 an der Mailänder Scala gnadenlos durch und wurde sofort abgesetzt. Zu Verdis...

Spiel mir das Lied vom Leben

Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas...