Dramaturgischer Leerlauf
Das Stück wird selten gespielt. An Amilcare Ponchiellis süffiger Partitur mit dankbaren, herausfordernden Gesangspartien, imposanten Chor-Tableaus und dem Wunschkonzert-Hit «Tanz der Stunden» kann es nicht liegen. Eher wohl an dem haarsträubenden Plot von «La Gioconda». Im schnellen Takt reiht sich da eine reißerische Krimi-Szene an die nächste: Hexenwahn, Lynchjustiz, geifernde Eifersucht, Scheintod, Erpressung, Selbstmord – kaum etwas wird ausgelassen. Ein Albtraum für Dramaturgen. Deshalb steht die «Gioconda» in Bonn zum Beispiel derzeit nur konzertant auf dem Spielplan.
An der Monnaie-Oper hat sich nun Olivier Py auf die Oper nach einem Stoff Victor Hugos (Libretto: Arrigo Boito) eingelassen.
Wie so oft, wenn Py und sein Dauerausstatter Pierre-André Weitz tätig werden, ist alles in einem Schwarz-Grau-Weiss gehalten, der üppige Strass-Besatz der Kostüme und viel Swarovski-Schmuck bilden einen gewollten Kontrast zum brutalistisch-öden, neonbeleuchteten Bühnenraum – etwas zwischen Tunnel, Parkhaus und Bunker. Nach Bedarf werden Etagen und Balkone hereingefahren, tun sich leere weiße Gemächer auf, am Boden steht knöcheltief brackiges Wasser, das, entsprechend beleuchtet, auf die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
Der Himmel über Paris, so zumindest will es unsere Fantasie, war strahlend blau an jenem Junitag des Jahres 1669, der als eine Art Gründungsmythos in die Annalen der (französischen) Musikgeschichte Eingang gefunden hat. Denn an diesem Tag zeigte sich der launische Sonnenkönig Ludwig XIV. von seiner charmantesten Seite: Er gewährte dem schriftstellernden Abbé...
Zum Glück besitzt Rolando Villazón viele Talente. Seit er sich als Sänger immer mehr zurückziehen muss, lebt er diese umso stärker aus: Regisseur, Autor, Fernsehmoderator, Rollenmodell und Mozart-Botschafter. In Salzburg fügt er seinem Portfolio nun für fünf Jahre die Intendanz der seit 1956 jährlich rund um des Komponisten Geburtstag stattfindenden Mozartwoche...
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
