Frauenpower
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben hinreichend unterscheiden. Kaum minder anspruchsvoll ist es, das Werk szenisch zum Sprechen zu bringen.
Vivaldi war zwar eigentlich ein Mann der Oper, gleichwohl besitzt «Juditha Triumphans» deutlich weniger dramatischen Puls als etwa Händels englische Oratorien.
In dem Stück gibt es nur wenige echte Opernmomente, dafür viel Stillstand, wenngleich in reizvollster musikalischer Ausführung. Zugrunde liegt die biblische Geschichte der Stadt Bethulien, die vom assyrischen General Holofernes belagert und von diesem durch die jüdische Witwe Judith befreit wird, indem sie ihn bezirzt, betrunken macht und dem Schlafenden schließlich mit seinem eigenen Schwert den Kopf abschlägt.
Dem niederländischen Regisseur Floris Visser fällt dazu leider nur eine arg überstrapazierte Konvention ein: Er verlegt den biblischen Krieg in die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
Zwei Geschwister. Anatol, Godot. Beide werden erwartet, mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass Becketts Titelheld mehr zur Metapher taugt, während sein Bruder im Geiste real existiert. Seit 20 Jahren harrt die schöne Vanessa seiner Ankunft, unverdrossen, sehnsüchtig, in rituell-masochistischer Hingabe. Doch die Liebe hält das Warten aus. Anatol ist der Mann...
60. Jahrgang, Nr 3
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Im Foyer hängen Girlanden schimmernder Metallornamente von der Decke. Was sich da kokett in jedem Luftzug dreht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Mobile des Tragischen: Man entdeckt Pistolen, gefrorene Tränen, Schusswunden. Nick Caves Installation «Until», 2016 bei Koproduktionspartner Massachussets Museum of Contemporary Art herausgekommen, ist als Denkmal...
