Frauenpower

Vivaldi: Juditha Triumphans
Amsterdam | De Nationale Opera

Opernwelt - Logo

Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben hinreichend unterscheiden. Kaum minder anspruchsvoll ist es, das Werk szenisch zum Sprechen zu bringen.

Vivaldi war zwar eigentlich ein Mann der Oper, gleichwohl besitzt «Juditha Triumphans» deutlich weniger dramatischen Puls als etwa Händels englische Oratorien.

In dem Stück gibt es nur wenige echte Opernmomente, dafür viel Stillstand, wenngleich in reizvollster musikalischer Ausführung. Zugrunde liegt die biblische Geschichte der Stadt Bethulien, die vom assyrischen General Holofernes belagert und von diesem durch die jüdische Witwe Judith befreit wird, indem sie ihn bezirzt, betrunken macht und dem Schlafenden schließlich mit seinem eigenen Schwert den Kopf abschlägt.

Dem niederländischen Regisseur Floris Visser fällt dazu leider nur eine arg überstrapazierte Konvention ein: Er verlegt den biblischen Krieg in die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Anspruchsvoll

Alban Berg würde sich wundern. Und vielleicht sogar zustimmen. Denn was Detlef Heusinger aus dem fragmentarisch überlieferten Material des dritten «Lulu»-Aktes gemacht hat, ist – wie die jetzt am Bremer Theater erfolgte Uraufführung dieser Fassung zeigte – eine höchst beachtenswerte, ebenso fantasievolle wie punktgenau durchdachte Alternative zu Friedrich Cerhas...

Der gelenkte Blick

Ein Montagmorgen um zehn Uhr. Vor dem Künstlereingang der Oper an Covent Garden herrscht geschäftiges Treiben. Der imposante Bau summt wie ein Bienenstock, hinter der Bühne herrscht nüchterne Funktionalität, alles wirkt ein bisschen abgewetzt. Nichts ist hier zu ahnen von der samtroten, goldverzierten Gediegenheit des Zuschauerraums und der Foyers, in denen das...

Un grande dolore

Am Ende ist alles nur noch musikalisches Zitat, Erinnerung. Und: totale Tristesse. Regungslos sitzt Mimì auf jenem Stuhl, der zuvor als Platz für Marcellos Aktmodelle diente, hockt da wie eine Statue. Die aber singt, und das wunderschön und zugleich höchst traurig. «Sono andati», das berühmte Schlusslamento, gerinnt in Nadja Mchantafs Diktion zu einem Bild...