Drama eines Außenseiters

Tschaikowsky: Pique Dame in Kiel

Opernwelt - Logo

Eine russische National- und Folkloreoper oder doch eher das Selbstbekenntnis eines großen Einsamen? Sandra Leupold hat in ihrer Kieler Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame» diesen letzteren Ansatz konsequent weitergedacht und das Geschehen ganz auf das Drama um den Außenseiter Hermann fokussiert, in dem die Regisseurin eine Projektion des Komponisten sieht.

Immer wieder Bilder, die Hermann auf der schwarz umkleideten Bühnenschräge mit einer schwarz gewandeten, anonymen Masse Mensch konfrontieren – streng, düster, bedrohlich, in einer auf Wesentliches reduzierten Choreografie, die an die mit hartem Strich gezeichneten szenischen Visionen einer Ruth Berghaus erinnern. Keinerlei ablenkende Tändelei, auch nicht im zweiten Bild mit den Gesängen Lisas und Polinas im Kreis ihrer Freundinnen oder beim Fest des mit Lippenstift-Schminke nur angedeuteten Maskenballs, wo die nostalgisch historisierende Pantomime konsequenterweise gestrichen ist. Eine Inszenierung, die dem Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration abverlangt, ihm aber auch ungewöhnlich tiefe Einblicke gewährt in die seelischen Abgründe eines Menschen, der sich in seinem Anderssein von der Gesellschaft nicht akzeptiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Prinzip Schönheit

Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt....

Glänzend disponiert

Die Enttäuschung darüber, dass der von Stress und Pech verfolgte Rolando Villazón sich nicht in Baden-Baden für die Rolle des Werther würde einfinden können, war groß. Viele Besucher machten Gebrauch von dem Angebot, die Karten zurückzugeben. Sie verpassten so nicht nur eine glänzend disponierte Elina Garanca, deren Charlotte vergessen machte, dass «Werther» die...

Kühne Wahl

Lord Ashburton, Schirmherr der Grange Park Opera, arbeitete 39 Jahre lang als Investment Banker. In seinem Geleitwort zur aktuellen Spielzeit spricht er vor allem von der Finanzkrise. Das von Wasfi Kani seit zwölf Jahren geleitete Festival in Hampshire ist nur
lebensfähig, wenn sich die Karten (aktuell zu Preisen zwischen 50 und 115 Pfund) verkaufen lassen und...