Cyberspace mit Trauerflor

«Götterdämmerung» in Valencia: La Fura dels Baus komplettieren ihren Pixel-«Ring», den Soundtrack disponiert Zubin Mehta

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Alles hängt in nachtgrauer Luft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde. Was war, was ist, was wird – niemand weiß das mehr zu sagen. Kalt fließt die Zeit, ohne Ursprung, ohne Ziel. Die letzte Stunde hat offenbar schon geschlagen, die Welt taumelt ihrem Ende unrettbar entgegen, wenn im Palau de Les Arts Reina Sofía unter den Augen der Königin die Nornen am Bühnenfirmament einschweben und über Loges Feuer in der Ferne parlieren. Stoische No-Future-Madonnen, die das Antlitz hinter Silbermasken verbergen und mit dem Schlimmsten rechnen.

Doch das Unheil, von dem sie wortreich künden, hat keine greifbare Gestalt. Es wuchert in Pixelbildern, die auf mobilen Leuchtpaneelen flimmern. Das Schicksalsseil, letztes Symbol einer sinnvollen Bestimmung und Geschichte, zerfasert digital, mutiert im Verlauf des strophischen Räsonnements der drei Damen zu einer anthropomorphen Gitterstruktur, aus der Flammen züngeln: Die Apokalypse von Walhall bahnt sich auf Screens an, das Schicksal der Götter und Menschen hängt an USB-Kabeln.
Liegt es an der virtuellen Auflösung der mythisch-archaischen Vorspielepisode zu Wagners Untergangsdrama, an der Aufhebung des realen (Bühnen-)Raums im ...

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Opernwelt August 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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