Doppeltes Vergnügen
Unter den Heroen der französischen Barockmusik ist Marc-Antoine Charpentier hierzulande nach wie vor der Unbekannteste. Selbst wenn er nicht durch Ausbildung wie innere Berufung zum Kirchenmeister bestimmt gewesen wäre, hätte es für ihn keine andere Möglichkeit gegeben, großformatige Werke zu verfassen – Jean-Baptiste Lully, der elf Jahre ältere Erfinder der französischen Tragédie en musique, besaß seit 1672, mit der Übernahme der Académie Royale de Musique, das alleinige Monopol, Opern aufzuführen.
Dieses Privileg galt auf Lebenszeit und untersagte alle öffentlichen Theateraufführungen konkurrierender Komponisten mit mehr als zwei Singstimmen und sechs Instrumenten. Erst nach Lullys Tod schuf sein Zeit -genosse 1693 mit der düsteren, großartigen, aber damals erfolglosen «Médée» eine abendfüllende Oper – es blieb seine einzige. Dass schon der junge Charpentier am Theater interessiert war und dafür eine hohe Begabung zeigte, beweisen seine Schauspielmusiken für die Comédie-Française, vor allem aber die sechs dramatischen Werke, die er in den frühen 1680er-Jahren für die privaten Soireen seiner Gönnerin, der Herzogin von Guise, schrieb. «Actéon», die gewiss spektakulärste, ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 54
von Uwe Schweikert
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