Donners Rache
Wenn ein «Rheingold»-Mime nur sein «Nehmt euch in acht! Alberich naht» singen darf, wenn Donner und Froh gestrichen, die Nibelungen mit einem einzigen Schrei vom Band präsent und alle Szenen so drastisch gekürzt sind, dass dramaturgisch und musikalisch nur mehr teils abrupt aufeinander folgende Kernstücke übrig bleiben, dann muss wohl in den Tiefen des Rheins, den Klüften Nibelheims und auf den freien Bergeshöhen etwas oberfaul sein.
Darüber kann selbst eine spektakuläre Kulisse wie das aus der Gründerzeit stammende Stadtlagerhaus im Regensburger Westhafen mitsamt modernen Kränen, das mit eindrucksvollen Großprojektionen und einem Schluss-Feuerwerk bespielt wird, nicht hinwegtäuschen.
Natürlich hatte Intendant Jens Neundorff von Enzberg in seiner letzten Saison keinen leichten Job. Als an bayerischen Staats- und Stadttheatern endlich wieder gespielt werden durfte, waren die Corona-Vorgaben selbst für Freilichtveranstaltungen nicht von Pappe. So wurde aus der für das Stammhaus geplanten Neuinszenierung von Richard Wagners «Rheingold» wenigstens noch ein Open-Air-Event gestrickt – mit Vorlauf und trotzdem sehr heißer Nadel, denn der Spielort war und ist zum Teil ein Industriehafen ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 74
von Monika Beer
Sie hat nur einen kurzen Auftritt. Die Jukebox, die Detlef Heusingers «chronologischem Musiktheater» den Namen verleiht: «Jukeboxopera». Sie verschwindet nach der ersten Szene in der Versenkung der Bühne des Theaters Freiburg. Mehr als eine Initialzündung ist sie nicht. Das rund 100-minütige Werk des Komponisten und künstlerischen Leiters des Freiburger...
An der Wende zum 20. Jahrhundert entdeckte auch Italien die Tiefen des Russischen Reichs. Kurz vor dem Erfolg der «Ballets Russes» in Paris waren Dostojewskis und Tolstois Romane übersetzt worden. Nicht viel hätte gefehlt und die erste Oper mit dem Titel «Aus einem Totenhaus» wäre nicht 1928 von Janáček, sondern von Puccini oder dem neun Jahre jüngeren Giordano...
«Ohne die Corona-Pandemie und den Lockdown im Frühjahr 2020 gäbe es diese Aufnahmen nicht», sagt Hanna Herfurtner in einem im Booklet ihrer CD abgedruckten Gespräch mit dem Tonmeister Johannes Kammann. Die Sopranistin macht ihre existentiellen Erfahrungen mit der erzwungenen Isolation zum Thema ihres Konzeptalbums. Das Nachdenken über das Leben wird zum Nachdenken...
