Donners Rache
Wenn ein «Rheingold»-Mime nur sein «Nehmt euch in acht! Alberich naht» singen darf, wenn Donner und Froh gestrichen, die Nibelungen mit einem einzigen Schrei vom Band präsent und alle Szenen so drastisch gekürzt sind, dass dramaturgisch und musikalisch nur mehr teils abrupt aufeinander folgende Kernstücke übrig bleiben, dann muss wohl in den Tiefen des Rheins, den Klüften Nibelheims und auf den freien Bergeshöhen etwas oberfaul sein.
Darüber kann selbst eine spektakuläre Kulisse wie das aus der Gründerzeit stammende Stadtlagerhaus im Regensburger Westhafen mitsamt modernen Kränen, das mit eindrucksvollen Großprojektionen und einem Schluss-Feuerwerk bespielt wird, nicht hinwegtäuschen.
Natürlich hatte Intendant Jens Neundorff von Enzberg in seiner letzten Saison keinen leichten Job. Als an bayerischen Staats- und Stadttheatern endlich wieder gespielt werden durfte, waren die Corona-Vorgaben selbst für Freilichtveranstaltungen nicht von Pappe. So wurde aus der für das Stammhaus geplanten Neuinszenierung von Richard Wagners «Rheingold» wenigstens noch ein Open-Air-Event gestrickt – mit Vorlauf und trotzdem sehr heißer Nadel, denn der Spielort war und ist zum Teil ein Industriehafen ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 74
von Monika Beer
Der Ort? Schön ist er nicht. Aber ein Technoclub folgt bekanntlich anderen ästhetischen Normen und Idealen als ein Theater oder gar ein Opernhaus. Er kann dunkel, metallisch, kalt und leer sein, das ist völlig egal. Ihre Aura gewinnt eine solche Location erst in der Nacht, wenn alle Katzen grau sind, wenn die Beats hämmern, die Lichtkegel tanzen und die Leiber im...
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen....
Ein Pochen, kurz, lang, kurz, lang, das sich über mehrere Takte hinzieht. Kein rhythmisches Gerüst ist das, zweite Violinen und Bratschen haben da etwas anderes zu sagen. Bedrohung und Ausweglosigkeit, Trauer und Zögern, ein leeres Um-sich-Kreisen, das Voranschreiten eines Trauermarsches, alles fällt hier zusammen. Vorausgesetzt, man dirigiert diese c-Moll-Stelle...
