Alternativen sind da

Mozart-Exegesen bei den Salzburger Festspielen: Romeo Castellucci und Teodor Currentzis verrennen sich bei «Don Giovanni» im Ästhetizismus, Raphaël Pichon deutet die c-Moll Messe ganz aus dem Geist der Dramatik

Opernwelt - Logo

Ein Pochen, kurz, lang, kurz, lang, das sich über mehrere Takte hinzieht. Kein rhythmisches Gerüst ist das, zweite Violinen und Bratschen haben da etwas anderes  zu sagen. Bedrohung und Ausweglosigkeit, Trauer und Zögern, ein leeres Um-sich-Kreisen, das Voranschreiten eines Trauermarsches, alles fällt hier zusammen. Vorausgesetzt, man dirigiert diese c-Moll-Stelle auch so. Nämlich nicht als Ausstellen eines einzigen Affekts, sondern in der Verschränkung mit anderen und als Kommentar auf andere Partiturschichten, also vielsagender, subtiler.

C-Moll? Wir sind doch hier gar nicht im «Don Giovanni», dem Mozart-Zentralereignis der diesjährigen Salzburger Sommerfestspiele (obgleich das fast exakt gleiche Pochen, nur eben einen Ton höher, in der Ouvertüre des Dramma giocoso aufscheint), sondern in einem Programm drei Tage später, in einem Kyrie.

Es ist ein Kirchenkonzert, das die Mozart-Ehre des Festivals wiederherstellt. Raphaël Pichon steht am Pult von St. Peter, vor ihm sein Ensemble Pygmalion. Und alles, was er mit der c-Moll-Messe unternimmt, mit diesem gewaltigen Torso, wie er ihn um Schubert und Bruckner ergänzt, damit neu ausleuchtet, befragt und Kontinuitäten in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele Salzburg, Seite 24
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Der doppelte Blick

Es hat lange gedauert. Zu lange. Doch die verkrusteten Strukturen in Bayreuth verhinderten es selbst noch in jüngerer Vergangenheit, dass eine Frau in den mystischen Abgrund hinabsteigen durfte. Nun, endlich, war es soweit, Oksana Lyniv dirigierte den «Fliegenden Holländer», äußerst kritisch beäugt. Tradition ist eben immer noch ein Wort am Grünen Hügel. Katharina...

Premieren September/Oktober 2021

Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (5.8.) als Präsenzvorstellung ange­kündigten Premieren und Festivals der Monate September/Oktober 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/

ML = Musikalische...

Editorial September/Oktober 2021

Sein Name ist etwas in Vergessenheit geraten. Was mehr als bedauerlich ist, zählte Ludwig Marcuse, dessen 50. Todestag wir in diesem Jahr begehen, zu den feinsinnigsten Beobachtern der menschlichen Spezies, als Schriftsteller, Essayist und Philosoph, als gleichermaßen spitzfindiger wie scharfzüngiger (Frei-)Geist. Insbesondere ein Buch Marcuses, der vorausschauend...