Doch aus dem Himmel regnet der Tod
Wer, bei Tage oder in der Nacht, an Deutschland denkt, kommt um Heinrich Heine kaum herum. Gesegnet mit der seltenen Gabe, noch das allerweltlichste Wortgestein so lange zu schleifen, bis daraus ein scharfkantiger Diamant wird, verlieh dieser Genius auch jenem widersprüchlichen, ihn förmlich zerreißenden Gefühl dem Heimatland gegenüber, das er früh verließ, um im fernen Paris freier atmen und dichten zu können, immer wieder aufs Neue poetologisch betörenden Ausdruck. Alfred Kerr, der ähnlich schwankte, war ein großer Bewunderer Heines.
Und wie sein Idol zeichnete auch ihn jener typisch jüdische Wortwitz aus, der Profanes in «Heiliges» verwandeln konnte. Und mochte Kerr, der früh von Opern Mozarts und Wagners in Bann gezogen wurde und selbst exzellent Klavier spielte (Musik war ihm die «höchste Helferin auf Erden»), zu einem der größten Theaterkritiker des Landes aufsteigen, schlummerte in ihm zugleich ein Schriftstellerprobierer. Schon in seiner Jugend verfasste Kerr Liebesherzschmerzgeschichten wie «Die Überwinderin», «Pantalon und Colombine» oder «Flucht»; seine Biographin Deborah Vietor-Engländer nennt sie «kleine Dramolette um die Eskapaden des eigenen Ichs, das bemerkt, dass ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Oper oder Oratorium? Das ist hier, da ein biblischer Hintergrund fehlt, nicht die Frage. Bei dem Werk, das am 19. Februar 1736 vor illustrem Publikum im Covent Garden Theatre zu London aus der Taufe gehoben wurde, handelt es sich entschieden um eine Ode. Schon die Vorlage, John Drydens «Alexander’s Feast; or the Power of Musick», war, wenngleich nur in barock...
Mit einem Zitat aus Shakespeares «King Lear» kündigt die Stimme aus dem Off eine Sonnenfinsternis an: «Jene letzten Verfinsterungen an Sonne und Mond verheißen nichts gutes […] Freundschaft erkaltet, Liebe fällt ab.» Kurz und nicht ganz so schön: Das Ende naht. Dabei ist es immer eine gute Nachricht, wenn ein Theater eine zeitgenössische Oper ins Programm nimmt....
Was kommt
Kunst der Tiefe
Spektakulär sind seine Regie -arbeiten nur selten. Dafür aber immer höchst präzise und dem vorliegenden Werk würdevoll verpflichtet. Ingo Kerkhof zählt damit zu den interessantesten Vertretern seiner Zunft. Nur eben nicht zu den lautesten. Ein nachdenklicher Mann, dem die Welt nicht zu Füßen liegt, der sie aber gerade deswegen umso...
