Doch aus dem Himmel regnet der Tod
Wer, bei Tage oder in der Nacht, an Deutschland denkt, kommt um Heinrich Heine kaum herum. Gesegnet mit der seltenen Gabe, noch das allerweltlichste Wortgestein so lange zu schleifen, bis daraus ein scharfkantiger Diamant wird, verlieh dieser Genius auch jenem widersprüchlichen, ihn förmlich zerreißenden Gefühl dem Heimatland gegenüber, das er früh verließ, um im fernen Paris freier atmen und dichten zu können, immer wieder aufs Neue poetologisch betörenden Ausdruck. Alfred Kerr, der ähnlich schwankte, war ein großer Bewunderer Heines.
Und wie sein Idol zeichnete auch ihn jener typisch jüdische Wortwitz aus, der Profanes in «Heiliges» verwandeln konnte. Und mochte Kerr, der früh von Opern Mozarts und Wagners in Bann gezogen wurde und selbst exzellent Klavier spielte (Musik war ihm die «höchste Helferin auf Erden»), zu einem der größten Theaterkritiker des Landes aufsteigen, schlummerte in ihm zugleich ein Schriftstellerprobierer. Schon in seiner Jugend verfasste Kerr Liebesherzschmerzgeschichten wie «Die Überwinderin», «Pantalon und Colombine» oder «Flucht»; seine Biographin Deborah Vietor-Engländer nennt sie «kleine Dramolette um die Eskapaden des eigenen Ichs, das bemerkt, dass ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
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