Doch aus dem Himmel regnet der Tod
Wer, bei Tage oder in der Nacht, an Deutschland denkt, kommt um Heinrich Heine kaum herum. Gesegnet mit der seltenen Gabe, noch das allerweltlichste Wortgestein so lange zu schleifen, bis daraus ein scharfkantiger Diamant wird, verlieh dieser Genius auch jenem widersprüchlichen, ihn förmlich zerreißenden Gefühl dem Heimatland gegenüber, das er früh verließ, um im fernen Paris freier atmen und dichten zu können, immer wieder aufs Neue poetologisch betörenden Ausdruck. Alfred Kerr, der ähnlich schwankte, war ein großer Bewunderer Heines.
Und wie sein Idol zeichnete auch ihn jener typisch jüdische Wortwitz aus, der Profanes in «Heiliges» verwandeln konnte. Und mochte Kerr, der früh von Opern Mozarts und Wagners in Bann gezogen wurde und selbst exzellent Klavier spielte (Musik war ihm die «höchste Helferin auf Erden»), zu einem der größten Theaterkritiker des Landes aufsteigen, schlummerte in ihm zugleich ein Schriftstellerprobierer. Schon in seiner Jugend verfasste Kerr Liebesherzschmerzgeschichten wie «Die Überwinderin», «Pantalon und Colombine» oder «Flucht»; seine Biographin Deborah Vietor-Engländer nennt sie «kleine Dramolette um die Eskapaden des eigenen Ichs, das bemerkt, dass ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Persien, vor langer Zeit. Ein grausames Gesetz gebietet, dass das erstgeborene Kind des Sultans stets ein Junge sein müsse, das zweite ein Mädchen. Sollte dero allerhöchste Fortpflanzungs -lotterie andere Resultate zeitigen, sind diese sofort blutig zu beseitigen. Vor rund zwanzig Jahren ist der Sultanin Pantea das Missgeschick passiert, zuerst eine Tochter, dann...
Theoretisch müsste jetzt das große Duett kommen. «Donna reale», die Anrufung der hohen Frau, und dann, von vielen vokalen Girlanden durchzogen, die Widerspiegelung einer heißen, jedoch unmöglichen Beziehung. Aber wir sind ja nicht bei Donizetti, obwohl Elisabetta I. und Roberto Devereux auf der Bühne stehen. In Puccinis «Turandot» erfolgt der Rückblick der...
Er war der Mann hinter den Fernsehbildern und als solcher nie zu sehen. Und wer liest am Ende einer Opern- oder Konzertübertragung schon den gesamten Abspann, wo dann irgendwann auch der Mann für die Bildregie erwähnt wird? Sehr oft, bei größeren Ereignissen fast immer, war das der Engländer Brian Large. Mehr als 800 Konzertund Opernaufnahmen gestaltete Large als...
