Als Schaljapin, Caruso, Lotte Lehmann und Richard Tauber sangen...
Die Klage über die guten, alten Zeiten ist kaum weniger alt als die zum Bewußtsein ihrer selbst erwachte Menschheit. Ob bei den Verfassern der attischen Tragödie, ob in der Hochblüte römischer Lyrik eines Catull, ob in gelehrten Abhandlungen der Renaissance oder in den romantischen Gedichten eines Eichendorff: immer erhebt sich [...] die klagende Repräsentation der verlorenen Vergangenheit. Es scheint, als gehöre sie notwendig zu den Konstitutoren einer vita contemplativa, als brauche man sie, um den Vitalüberschuß der Träger einer vita activa zu kompensieren. [...
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Immer muß innerhalb der vita contemplativa die Gegenwart gegenüber bewußter Vergangenheit, gegenüber der Konstituierung von Zeit im Lebensraum, ins Hintertreffen geraten, so sehr, daß zu Beginn unseres Jahrhunderts die wissenschaftlich verbrämte Prophezeiung vom Untergang der abendländischen Welt zum Bestseller avancieren konnte. [...]
Genau das ist die Situation der musikalischen Vokalkritik im heutigen Deutschland. Ulrich Dibelius formulierte ihren Trend einmal treffend, indem er sagte, daß «wohlfeile Lobeshymnen schon lange das kritische Zuhören ersetzt haben». In der Tat reagiert man heute auf gesangliche Leistungen ...
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Memoiren seien die Zeitbomben des Pensionisten, sagte Henry Kissinger. Das mit dem Pensionisten trifft im Falle Ioan Holenders nicht ganz zu, denn der 75-Jährige ist als Berater großer Opernhäuser und Festivalleiter weiterhin im Geschäft. Darauf verweist auch der Titel seines neuen Buchs, das pünktlich zum Abschluss seiner Direktionsära erschien: «Ich bin noch...
Gegen Ende seiner Dienstzeit wurde Ioan Holender gefragt: «Sie sind in Österreich bekannter als die meisten Regierungsmitglieder – liegt das an der Position des Staatsoperndirektors, oder liegt es an Ihrer Persönlichkeit?» Seine Antwort: «Es liegt an den Regierungsmitgliedern». Natürlich war das kokett. Aber die Fragestellung ist keineswegs abwegig, denn der...
Herr Holender, Sie haben einmal gesagt, Operndirektor sei kein Beruf, sondern eine Situation, in die man gerät. Ist ein Operndirektor jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
In gewissem Sinn schon. Denn man kann diesen Beruf nirgends lernen. Wer wird denn Operndirektor? Da sind einmal die Sänger am Ende einer Karriere, weil sie sich auskennen im...
