Kinder, macht Neues!
Der Streit um Sinn oder Unsinn, vergessene Opern «auszugraben», ist so alt wie dieser Versuch selbst. Als das Nationaltheater Mannheim Carl Orff 1925 die Möglichkeit gab, Monteverdis «Orfeo» für das lebendige Theater zurückzugewinnen, war der Erfolg entmutigend. Zur Premiere waren zwar Musiker, Musikwissenschaftler, Intendanten und Spezialisten aus dem ganzen Reich und dem Ausland angereist. Dann aber musste die Inszenierung mangels Publikum nach der dritten Vorstellung abgesetzt werden. Das Haus hatte keine Mühen gescheut.
Man hatte historische Instrumente aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und anderen Spezialsammlungen entliehen und spezielle Heckelphone statt der für damalige Musiker unspielbaren Zinken bauen lassen. Die Presse aber maulte: «Über die Notwendigkeit der Herbeischaffung teils überholter, teils neukonstruierter Instrumente ließe sich streiten» (General-Anzeiger Ludwigshafen, 20.4.1925), und giftete: «Es wäre notwendiger, das Repertoire einmal umzugraben [die Repertoire-Stücke neu zu inszenieren], es käme sicherlich mehr dabei heraus. Allerdings: Monteverdi hat noch mehr Opern geschrieben. Zu den schlimmsten Befürchtungen gibt dies Anlass.» (Neue ...
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Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss...
«Die Kunst blüht, ist an der Herrschaft, streckt ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt.» Ein Paradies. Und exakt 108 Jahre her. Es war Thomas Mann in der Novelle «Gladius Dei», der damals so von der Isarstadt schwärmte. Sein Fazit: «München leuchtete», was zu einer fast gleichnamigen kommunalen Medaille, zu «München leuchtet» führte, mit der die...
Herr Metzmacher, im Programmheft zur Salzburger Uraufführung von Wolfgang Rihms «Dionysos» beschreiben Sie Ihren ersten, vorsichtigen Kontakt mit der neuen Partitur. Wovor haben Sie in einer solchen Situation am meisten Angst?
Vor gar nichts. Ich bin nur neugierig. Im Falle von «Dionysos» kam die Partitur schubweise. Es war jedes Mal sehr spannend zu sehen, wie sich...
