Reiche neue Welt
Als Karlheinz Stockhausens «Sonntag aus Licht» 2011, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, in Köln uraufgeführt wurde, kamen größere Teile des Publikums in weißer oder goldener Kleidung. Warum? Weil es die Farben dieses Wochentags sind. Und weil es in Deutschland durchaus eine Stockhausen-Gemeinde gibt, die ihren «Meister» nicht nur aus musikalischen Gründen liebt, sondern auch seinen Kleidungsvorschriften willig folgt.
In der Pariser Philharmonie sah die Sache nun ein wenig anders aus.
Von den erwünschten Farbgewändern ist kaum etwas zu sehen – außer beim Dirigenten Maxime Pascal, der am Ende der Aufführung tatsächlich weiß-gold glitzert. In der Chorszene «ENGEL-PROZESSIONEN» taucht Pascal allerdings plötzlich in rabenschwarzem Flitter auf – womöglich ein zarter Hinweis darauf, dass Luzifer im «Sonntag» zwar nicht vorkommt, aber doch subkutan anwesend ist?
Kurz zur Erinnerung: Der «Licht»-Zyklus durchmisst in sieben Teilen und rund dreißig Stunden einen mal eher katholischen, mal sehr esoterisch-privatmythologischen Kosmos rund um die zentralen Figuren Michael, Eva und Luzifer. Jede Oper ist einem Wochentag gewidmet, jedem Tag sind Formen, Farben, Symbole zugeordnet; ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jörn Florian Fuchs
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