Über den Wolken
Der Auftrag kam von höchster Stelle. Kein Geringerer als Louis XIV persönlich wünschte sich von seinem surintendant de la musique du Roy für die Karnevalsfeierlichkeiten des Jahres 1675, zu denen er europäische Politprominenz an den Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye einzuladen gedachte, ein dem Anlass würdiges Bühnenwerk. Und Jean-Baptiste Lully, wissend, dass man sich dem herrschaftlichen Willen selbstredend zu beugen hatte (dafür aber mit üppiger finanzieller Unterstützung sowie höchstem Lob rechnen konnte), zögerte keine Sekunde lang.
Er besprach sich mit seinem angestammten Librettisten Philippe Quinault und zauberte wenig später die Tragédie en musique «Thésée» aus dem Komponistenhut, das dritte Werk dieser vom Sonnenkönig geliebten, ja fast vergötterten Gattung nach «Cadmus et Hermione» und «Alceste».
Erzählt wird darin eine verzwickte Liebesgeschichte, die im Prolog zunächst auf die aktuelle politische Situation rekurriert (seit 1672 ist Frankreich in den Holländischen Krieg verstrickt) und in den folgenden fünf Akten Anleihen beim Theseus-Mythos nimmt, diesen aber nach zeitgenössischem Gusto modelliert und sich überdies von Ovids «Metamorphosen» sowie der ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 24
von
Die erste Orchesterprobe ist ein wenig ernüchternd: Nach vier Tagen intensiven Unterrichts und Proben mit Klavierbegleitung spürt man deutlich, wie die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit der Dynamik eines großen Instrumentenapparats noch fremdeln. Es klappert an Nahtstellen, die Meinungen über Tempi gehen bisweilen auseinander. Offenbar fehlt ein Stück Erfahrung....
Medea tanzt. Doch nicht im walzerseligen Dreiertakt schwebt die Zauberin über die Bühne. In ihrem heftigen Zucken wohnt der pure Zorn. Aber auch ein bisschen Traurigkeit und Verzweiflung. Denn diese Medea weiß sich (noch) keinen Rat, wie sie da durchs maschendrahtumhüllte Gehege fegt im güldenen Gewand (ist es womöglich mit dem Stoff jenes Goldenen Vlieses...
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch...
