Diskografisches Glück
Ein pianissimo ist ein pianissimo ist ein pianissimo? Im vorliegenden Fall ist es die um ein My leisere Variante, ein pianopianissimo.
Fast unhörbar, wie aus weiter Ferne, so als sei sie Ankündigung des nahenden Todes, erklingt die Linie der Violoncelli und steigt sie eine Oktave hinab, vom kleinen e zum großen E, dessen Erscheinen die Leere der Welt bekundet (wie sie außer Giuseppe Verdi derart magisch nur noch Gustav Mahler in seinen vierfachen piani zu beschwören wusste ), bevor, sotto voce und pianissimo, Tenöre und Bässe das Wort «Requiem» intonieren, in zwei müden Achteln und einem Viertel – als leere, Leiermann’sche Quinte.
Als Riccardo Muti Anfang Oktober 1981 an zwei aufeinander folgenden Abenden im Münchner Herkulessaal Verdis «Messa da Requiem» dirigierte, zeigte er schon in diesen Anfangstakten des Andante seine hohe Meisterschaft: Mit formidablem Klangsinn und unglaublich sublimem Gespür für dramaturgische Spannungsabläufe, das «richtige» Tempo und die «richtige» Balance, das nur den Großen in die Wiege gelegt ist, formte der italienische Dirigent das «Requiem» zu einer musikalischen Parabel vertiefter Innerlichkeit. Dass er es vermochte, hatte allerdings auch mit ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jürgen Otten
Sage und schreibe 16 Opern hat der junge Verdi zwischen 1839 und 1850 komponiert. Wäre er vor dem «Rigoletto» gestorben, würde er heute ebenso vergessen sein wie die älteren Kollegen Giovanni Pacini und Saverio Mercadante. So aber erfreut sich sein Frühwerk des gleichen Interesses wie das des jungen Mozart. Das gilt selbst für eine nach allgemeiner Übereinkunft der...
Die Einschätzung war triftig: Als «Apokalypse im Familienmaßstab» bezeichnete Hanns Eisler den 1930 an der Oper Frankfurt uraufgeführten Einakter «Von heute auf morgen». Arnold Schönbergs Beitrag zum seinerzeit avancierten Zeitoperngenre, der in drastischen Farben die Ehekrise eines einander entfremdeten Paares schildert, bildete nun am gleichen Ort die Exposition...
Wenn unser Geigenlehrer selig, ein Engel an Geduld, genug hatte von unserem Gekratze, floh er gerne in eine erträumte Solokarriere: Er gab für uns Schüler den Virtuosen. Dabei warf er sich vor allem Isaac Albéniz an die Brust; sein erklärtes Lieblingsstück war «Asturias» aus der «Suite española» op. 47 in der Fassung für Solo-Violine – heute einem breiteren...
