Dieses obskure Subjekt der Begierde
Treffen sich zwei. Sie, eine ausgehungerte, nach (körperlicher) Liebe dürstende Frau, deren Leben aus Ennui und gemeiner Unterdrückung besteht. Er, eine Art lisny celovek, ein armer, in der sozialen Hierarchie weit untenstehender Tropf, dessen einziges Vergnügen in erotischer Vergiftung besteht. Wie zwei magnetisch aufgeladene Monaden prallen Katerina Ismailowa und Sergej aufeinander; da bleibt nicht einmal Zeit für die hohe Kunst der Verführung. Ungehemmt, wie wilde Tiere, verklammern sie sich, ohne auch nur eine Sekunde über die Folgen ihres Tuns nachzudenken.
Das Äußerste, es passiert. Einfach so.
So einfach aber ist die Geschichte eben nicht. Katerina ist verheiratet, wenn auch mit einem Jammerlappen. Sinowij Borissowitsch Ismailow, den sie gegen ihren Willen auf höheren Befehl hin geehelicht hat, leidet selbst unter den Mechanismen jenes Systems, in dem sie alle ausnahmslos leben. Im «Reich» des Boris Timofejewitsch Ismailow gilt das Gesetz der Gewalt. Und diese Gewalt kennt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Sie ist virulent, egal wohin man schaut, und sie bedient sich in vielen Fällen der Macht der Peitsche. Wer sich widersetzt oder gar entfliehen will, spürt die ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen...
Frau Zaharia, Ihr Weg zur Oper scheint nicht der geradlinigste gewesen zu sein. Sie haben als Pianistin begonnen und wollten dann Musikwissenschaftlerin werden. Singen war nur die dritte Option?
Und Oper die vierte. Ich habe sechzehn Jahre Klavier gelernt und ein Lehrdiplom erworben, darf also unterrichten – hoffentlich kommt es niemals dazu (lacht) … Das...
