Die zweite Wirklichkeit
Mumbai schwitzt. Selbst um Mitternacht sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass man sich nach besseren Klimaanlagen sehnt. Aber die tropische Hitze ist nicht das Hauptproblem dieser Stadt. Auch nicht der Verkehr, die miserable Luft, der Lärm. Nein, Mumbai, das einmal Bombay hieß, ist einfach zu voll. Mehr als 16 Millionen Menschen leben hier. 2015 werden es nach offiziellen Schätzungen vermutlich 23 Millionen sein, weil Tag für Tag Hunderte aus den Dörfern hierher pilgern, in der Hoffnung auf ein bisschen Glück.
Ein Großteil von ihnen lebt unter Bedingungen, die man sich in Europa nicht mal in den schlimmsten Alpträumen vorzustellen vermag. Fließendes Wasser ist ebenso Mangelware wie sanitäre Anlagen. Zumal in den Slums, die nicht irgendwo am Rande des schönen Scheins versteckt werden, sondern mitten in der Stadt zu finden sind, die außerdem an ihr und um sie herum kleben wie wuchernde Geschwüre. Einfach überall. Bettelnde Mütter liegen samt Kindern sogar am Marine Drive, der Flaniermeile am Meer. Wer Malaria kriegt, hat eben Pech gehabt. Man könnte und müsste viel erzählen vom vielschichtigen Elend dieser kaputten Stadt. Aber das wäre auch ungerecht, weil man dann nicht auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Götterdämmerung» als Demonstration der Vererbungslehre? Wenn Hagen nach Siegfrieds Tod in einer brutal ausgespielten Szene seine Halbschwester Gutrune vergewaltigt, kann man diese Tat ganz aus den Genen begründen: Hatte sein Vater Alberich bei der Zeugung des Sohnes nicht einst Grimhild, der Herrschersgattin im Hause Gibichungen und Mutter von Gunther und Gutrune,...
Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der...
Für die «Zauberflöte» hat sich René Jacobs viel Zeit genommen. Papageno, Pamina & Co., so schien es, lagen außerhalb der Reichweite eines Musikarchäologen und Dirigenten, dessen interpretatorische Fantasie sich eher aus dem Geiste Monteverdis und der Seria speiste. Das belegen nicht zuletzt seine legendären Exegesen von Mozarts «Figaro», «Così» und «Don Giovanni»,...
