Beim Wort genommen
Für die «Zauberflöte» hat sich René Jacobs viel Zeit genommen. Papageno, Pamina & Co., so schien es, lagen außerhalb der Reichweite eines Musikarchäologen und Dirigenten, dessen interpretatorische Fantasie sich eher aus dem Geiste Monteverdis und der Seria speiste. Das belegen nicht zuletzt seine legendären Exegesen von Mozarts «Figaro», «Così» und «Don Giovanni», zuletzt des «Titus» und «Idomeneo» – Aufnahmen, die uns die Ohren öffneten und den Sinn schärften für nie gehörte Farben und Nuancen.
Nun also die «Zauberflöte».
Wieder gelingt es Jacobs, uns mit einer Materie zu überraschen, die vermeintlich längst bis ins feinste Molekül durchleuchtet ist. Ausgangspunkt des jüngsten Angriffs auf tradierte Hörmuster ist das viel bekrittelte Libretto Emanuel Schikaneders; und ein flammendes Plädoyer, dessen Dialoge endlich ernst zu nehmen. Jacobs begreift den Text als Dokument eines mit dem Florett intelligenter Unterhaltung fechtenden Aufklärers, der jedes Wort auf die Waagschale gelegt hat. Die Initiationsgeschichte Taminos und Paminas, ihre Prüfungen in der Priesterwelt, der straßenschlaue Witz Papagenos, das paradoxe Drama des Monostatos, kurzum: der altägyptisch-mythisch ...
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