Der Untergeher
Der Mann ist ein Mirakel. Wo immer er auftaucht, liegen ihm die Herzen der Damen augenblicklich zu Füßen. Auch hier, am Rande der Straße, von der Don Giovanni, begleitet von Leporello, vermutlich kurz zuvor abgekommen ist mit seinem schicken Sportwagen, der nun, mächtig zerbeult, an der Grenze eines gemähten Kornfelds neben dem einzigen Baum steht, der weit und breit zu sehen ist (unfreiwillig muss man an Albert Camus’ tödlichen Autounfall denken).
Kaum hat sich in der (von Joseph Trafton ein wenig zu undämonisch angelegten) Ouvertüre des Dramma giocoso, der Moll-Nebel gelichtet und strahlt lichtes D-Dur aus dem Graben nach oben, schlendern sie nach und nach herein – erst Donna Anna, Donna Elvira und Zerlina, dann ein knappes Dutzend weiterer Frauen. Und so kokett, ja beinahe frivol, wie sie sich gerieren, haben alle nur den einen Wunsch: zu verführen. Oder besser: verführt zu werden.
Da gibt es nur ein klitzekleines Problem. Der Verführer ist müde, matt, beinahe gänzlich erschlafft (was zum Glück nicht für den kultivierten Bariton von Insu Hwang gilt, der sich problemlos über den ohnehin schlanken, transparenten Klang des Philharmonischen Orchesters Hagen hinwegzusetzen vermag). ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Jürgen Otten
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
Das Werk ist unzeitgemäß […] Ich kann, was ich will, aber sie verstehen es nicht», erklärte Franz Schreker so schroff wie selbstbewusst, als seine Oper «Der singende Teufel» 1928 bei ihrer Uraufführung durchfiel. Die Kürzungen, die er vornahm, machten es nicht besser. Die einzige Wiederaufnahme nach 1945, John Dews Bielefelder Inszenierung 1989, strich das sperrige...
Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen. In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher...
