Der Untergeher

Annäherungen an Mozarts «Don Giovanni»: melancholisch verschattet in Hagen, mit leichter Hand in Detmold

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Der Mann ist ein Mirakel. Wo immer er auftaucht, liegen ihm die Herzen der Damen augenblicklich zu Füßen. Auch hier, am Rande der Straße, von der Don Giovanni, begleitet von Leporello, vermutlich kurz zuvor abgekommen ist mit seinem schicken Sportwagen, der nun, mächtig zerbeult, an der Grenze eines gemähten Kornfelds neben dem einzigen Baum steht, der weit und breit zu sehen ist (unfreiwillig muss man an Albert Camus’ tödlichen Autounfall denken).

Kaum hat sich in der (von Joseph Trafton ein wenig zu undämonisch angelegten) Ouvertüre des Dramma giocoso, der Moll-Nebel gelichtet und strahlt lichtes D-Dur aus dem Graben nach oben, schlendern sie nach und nach herein – erst Donna Anna, Donna Elvira und Zerlina, dann ein knappes Dutzend weiterer Frauen. Und so kokett, ja beinahe frivol, wie sie sich gerieren, haben alle nur den einen Wunsch: zu verführen. Oder besser: verführt zu werden.

Da gibt es nur ein klitzekleines Problem. Der Verführer ist müde, matt, beinahe gänzlich erschlafft (was zum Glück nicht für den kultivierten Bariton von Insu Hwang gilt, der sich problemlos über den ohnehin schlanken, transparenten Klang des Philharmonischen Orchesters Hagen hinwegzusetzen vermag). ...

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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Jürgen Otten

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