Die Wahrheit des Marktes

Wie der amerikanische Dramatiker Ayad Akhtar sein Land, seinen Präsidenten, die Situation der Künstler und sich selbst in Zeiten von Corona erlebt – ein Brief aus New York

Es begann als ein Ding in weiter Ferne. Irgendwo in China. Wir hatten schon früher von solchen Dingen gehört. Von Viren, die auf Menschen überspringen, auf Freiluftmärkten, wo Tiere, von denen wir noch nie gehört hatten, geschlachtet und verkauft wurden. Das hatten wir schon mal gehört. Dann hörten wir etwas anderes. Von Experimenten an Fledermäusen und von einem Labor, in dem die Versuchsvorschriften nicht eingehalten wurden.

Und dann hörten wir noch etwas anderes. In Italien lagen Menschen im Sterben.

Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte das nicht ernst genommen, und nun nutzte Salvini die Gelegenheit, um erneut Einwanderer als die todbringenden Schuldigen darzustellen. Ich war in Los Angeles, am Ende einer zehntägigen Reise zu den Studios, um ein Fernsehspiel über die zunehmende Desinformation in unserem Land zu verkaufen. Die Treffen waren gut verlaufen, aber niemand schüttelte einem mehr die Hand. Wir berührten uns mit den Ellbogen und vermieden die Nähe; jedes Mal, wenn jemand hustete, spürte man die Ängste im Raum. Aber noch war das alles nicht mehr als eine Ahnung, etwas, das in den Köpfen auftauchte und wieder verschwand. Es dauerte noch drei Wochen, bis die Welle der ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Focus New York, Seite 22
von Ayad Akhtar