Die Verdammten

Tschaikowskys «Eugen Onegin» – triumphal in Bonn, mäßig inspirierend in Düsseldorf

Opernwelt - Logo

Die berühmteste Passage in Tschaikowskys «Eugen Onegin» ist die große Briefszene der Tatjana im ersten Akt: Die schwärmerisch veranlagte, sich vor der russischen Langeweile in die Literatur flüchtende junge Frau ist jäh für den abgebrühten Großstädter Onegin entflammt und schreibt ihm nachts einen glühenden Brief, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht.

Das Aufwallen ihrer lodernden Gefühle, das Zaudern und Zweifeln und schließlich den sich selbst beschleunigenden Fluss ihres Schreibens hat der Komponist minutiös proto -kolliert, es ist seine vielleicht größte Opernszene überhaupt und ein Prüfstein für jeden Regisseur. Wer genau hinhört, sollte schlüssige Bilder finden für den inneren Sturm der Tatjana und ihren existenziellen Kampf um die richtigen Worte. Regisseur Vasily Barkhatov hat das in Bonn getan, ist förmlich hineingekrochen in Tschaikowskys Partitur. Daraus entsteht die pure Magie, denn Bar -khatovs Tatjana – die mädchenhaft wirkende Anna Princeva – bewegt sich derart frei von gestischen Klischees, als entstünde die Musik aus ihrer inneren Erregung und nicht, wie so häufig, umgekehrt. Die junge Liebende geht ruhelos umher mit ihrem Papier, setzt sich an den Flügel, schreibt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Im Schmelztiegel der Kulturen

Noch in den 1960er-Jahren kam man nicht an dem Namen Paul Abraham vorbei. In den Radiosendern waren brav arrangierte Medleys seiner Operetten omnipräsent; vor allem «Viktoria und ihr Husar» und «Die Blume von Hawaii» standen hoch im Kurs. Da quietschten sich Herta Staal und Harry Friedauer mit «Mausi, süß warst du heute Nacht» durch die Röhre, und Heinz Maria Lins...

Das Phantom der Oper

Im vergangenen Juli legte die Gewerkschaft Les Forces musicales, die 51 französische Opernhäuser und Orchester vertritt, eine konsternierende Broschüre vor. «La Saison fantôme» betitelt, stellte sie eine Auswahl von 19 «Geister-Produktionen» vor, die das Publikum diese Spielzeit nicht oder nur in flüchtigen Umrissen zu sehen bekommt. Abgesagte Produktionen oder...

Personalien, Meldungen 4/24

JUBILARE

Felicity Palmer studierte an der Londoner Guildhall School of Music and Drama sowie in München, bevor sie das erste weibliche Ensemblemitglied der King’s Singers wurde. Ihr Bühnendebüt gab die Mezzosopranistin 1971 als Dido in Purcells «Dido and Aeneas» an der Kent Opera, zwei Jahre später folgte ihr erster Auftritt in den USA in «Le nozze di Figaro». Vor...