Im Schmelztiegel der Kulturen
Noch in den 1960er-Jahren kam man nicht an dem Namen Paul Abraham vorbei. In den Radiosendern waren brav arrangierte Medleys seiner Operetten omnipräsent; vor allem «Viktoria und ihr Husar» und «Die Blume von Hawaii» standen hoch im Kurs. Da quietschten sich Herta Staal und Harry Friedauer mit «Mausi, süß warst du heute Nacht» durch die Röhre, und Heinz Maria Lins gab mit dem Macho-Lied «Ich hab’ ein Diwanpüppchen» den Buffo-Charmeur vom Dienst. Über den Schöpfer dieser Schlager, der eigentlich Pál Ábrahám hieß, wusste man nur wenig.
Bekannt war lediglich, dass er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wie so viele jüdische Operettenkomponisten emigrieren musste, 1956 aus den USA nach Deutschland zurückkehrte und schon vier Jahre später in geistiger Umnachtung starb. Hätte er unter anderen Umständen gelebt, wäre ihm vielleicht eine der größten Karrieren seiner Zeit beschieden gewesen – als Meister einer Operetten- und Filmmusik, die wie kaum eine andere europäische jener Zeit Jazzklänge aufgriff.
Karin Meesmann kam mit Ábrahám als Musikerin noch in Berührung. Die in Berlin lebende und lehrende Querflötistin berichtet, wie sie in den 1980er-Jahren im berühmten Kur- und ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Alexander Dick
Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen...
Unter den Töchtern Vincenzo Bellinis gilt sie als die unscheinbarste. Weder besitzt sie die Anmut einer Amina, Bianca oder Elvira, noch den Zauber einer Zaira oder Agnese (Kosename: Alaide); auch eignet ihr kaum das (sich ins Tragische wendende) jugendliche Unbekümmerte Giuliettas, die Sanftmut einer Imogene oder das Flammend-Heroische der schönen Norma. Beatrice...
Ein starker Moment: Wotan spielt Simultanschach gegen seine Walküren, er ist so überlegen, dass er gegen eine nach der anderen gewinnt, aber nicht gegen Brünnhilde. Beide haben ihre Freude daran. Schiebt sich die menschliche und beziehungsreiche Seite nach vorne, gewinnt auch der Abend sofort an Fahrt. Insgesamt aber bleiben die beiden Regisseurinnen Alexandra...
