Die Verdammten
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte Seelen, die längst alle Hoffnung haben fahren lassen, mit weißen Masken und Totengräberkleidern, denen sich später ein Chor aus bleichen Sängerinnen und Sängern hinzugesellen wird.
Ein Wunder ist es nicht: In der Stadt des Todes können schöne Gefühle kaum gedeihen, und wenn sie es dann doch einmal tun, dann nur für wenige Augen -blicke. Die Möglichkeit der Liebe, sie existiert im Grunde kaum in diesen «heiligen» Hallen, zumindest nicht am Staatstheater Mainz, wo Korngolds Geniestreich 125 Jahre nach der doppelten Uraufführung (in Hamburg und Köln) erstmals überhaupt zu bestaunen ist.
Die Ausstatter Timo Dentler und Okarina Peter haben auf die Bühne des Staatstheaters ein schiefes Holzhaus gesetzt, das seine Hermetik bald aufgibt, weil sich die einzelnen Teile selbstständig machen und wie magische Module durch den Raum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Kleinod – dieses aus der Mode gekommene Wort muss für das Opernhaus in Passau erfunden worden sein. Von außen zu erkennen ist dies nicht sofort. Das Haus verbirgt sich hinter einer klassizistischen Fassade, muss über ein langes, eher nüchternes Foyer erwandert werden, das zwei Gebäude miteinander verbindet. Dann aber betritt man von der Rückseite her einen...
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta...
