Die Verdammten
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte Seelen, die längst alle Hoffnung haben fahren lassen, mit weißen Masken und Totengräberkleidern, denen sich später ein Chor aus bleichen Sängerinnen und Sängern hinzugesellen wird.
Ein Wunder ist es nicht: In der Stadt des Todes können schöne Gefühle kaum gedeihen, und wenn sie es dann doch einmal tun, dann nur für wenige Augen -blicke. Die Möglichkeit der Liebe, sie existiert im Grunde kaum in diesen «heiligen» Hallen, zumindest nicht am Staatstheater Mainz, wo Korngolds Geniestreich 125 Jahre nach der doppelten Uraufführung (in Hamburg und Köln) erstmals überhaupt zu bestaunen ist.
Die Ausstatter Timo Dentler und Okarina Peter haben auf die Bühne des Staatstheaters ein schiefes Holzhaus gesetzt, das seine Hermetik bald aufgibt, weil sich die einzelnen Teile selbstständig machen und wie magische Module durch den Raum ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag...
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Das höchste Lob für Irmgard Seefried stammte aus dem Mund von Elisabeth Schwarzkopf: «Wir alle beneideten sie, dass alles, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand es, mit dem Herzen zu singen.» Kühle Perfektion, Schönheit als Selbstzweck waren nie ihre Sache. Ein Star wollte sie nicht sein. Seefried...
