Die Untergeher
Eine ähnlich radikale Umdeutung von Mozarts «Idomeneo», wie Peter Konwitschny sie jetzt in Heidelberg herausgebracht hat, war wohl noch nie zu sehen. Wenn am Ende des zweiten Akts das vom Meeressturm entsetzte Volk den Namen des Schuldigen fordert, entert der verzweifelte Titelheld, wie in einem Amoklauf den Gott Neptun verfluchend, das im Hintergrund auf der Bühne sitzende Orchester, drängt den Dirigenten gewaltsam vom Pult, ergreift die Partitur und schleudert sie in die Tiefe. Die Musik bricht ab, der Vorhang fällt.
Von diesem Moment an bleibt buchstäblich kein Stein mehr auf dem andern. Angedeutet hatte sich der verstörende Umgang mit dem Stück auf der in drei Tiefenebenen gestaffelten Bühne von Anfang an: kräftige Striche in der Musik und drastische Änderungen am Wortlaut des (wie schon in Konwitschnys Stuttgarter Inszenierung der Cherubini-«Medea» – siehe OW 1/2018) auf Deutsch gesungenen Textes. Die Handlung trägt sich auf dem schmalen Streifen des zugedeckelten Grabens zu, das Orchester spielt als musikalischer Mit-Akteur der theatralen Erzählung auf hoch- und niederfahrenden Podien im Hintergrund, dazwischen werden gemalte Wellensilhouetten von Punktzügen bewegt.
Los ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
Allzu selten dient ein Opernlibretto derzeit als echte Steilvorlage für einen Regisseur. Und wenn überhaupt, dann ist es Material, das es gegenzulesen gilt. Bei Robert Wilson ist das anders. Er bedient sich einfach bei Puccinis Textdichtern Giuseppe Adami und Renato Simoni, die ihrerseits Schillers Bearbeitung der fiabe teatrali «Turandot» des Venezianers Carlo...
Ach ja, die Liebe. Eine haarige Angelegenheit, heute mehr denn je. Die allesverschlingenden Märkte haben auch diese schönste Hauptsache der Welt amalgamiert; Gefühle sind im Wesentlichen ersetzt durch Akkumulation von Kapital, welches sie, als materialistische Konstante, darstellen. Der Planet bevölkert von lauter entfremdeten Konsumaffen, deren einziges Bestreben...
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