Baritono martiale infernale
Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden, physiologisch-kulturkonventionellen Umstand zunutze gemacht. Die Oper vor allem, vor allem die italienische, und da vor allem einer: Leo Nucci.
Leo Nucci, seit dreißig Jahren ein führender hoher und zumal Verdi-Bariton, ein vorzüglicher unter manch anderen vorzüglichen. Aber innerhalb seiner Fachbranche und wohl der italienischen Oper ingesamt: der größte, der beste Schimpfer womöglich der letzten hundert Jahre.
Unübertroffen schimpfte Nucci und schimpft wohl noch immer als der vermutlich enormste Dummkopf der italienischen Oper, als Don Carlo in Giuseppe Verdis «Forza del destino»: als rächender oder zumindest rachewilliger, ja rachesüchtiger Bruder und späterer Grenadieroffizier, dem die Macht des Schicksals den Vatermörder Don Alvaro über den Weg führt. Obwohl der Mord eigentlich gar keiner war, sondern blinder Zufall, und obschon ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein kostbares, dunkel getöntes Timbre. Eine bravouröse Beweglichkeit und eine mühelos ansprechende Stimme im Ziergesang. Ein stets waches, kultiviertes Stilgefühl. Schauspielerisches Temperament und eine anmutige Bühnenpräsenz. Laura Polverelli ist wie geschaffen für das Repertoire eines Koloraturmezzos. Und für die Hosenrollen der Opernliteratur. Die in hohen...
m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von...
