Baritono martiale infernale

Der Schriftsteller, Satiriker und glühende Opern-Fan Eckhard Henscheid hat für «Opernwelt» eine augenzwinkernde Hommage an den Bariton Leo Nucci geschrieben.

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Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden, physiologisch-kulturkonventionellen Umstand zunutze gemacht. Die Oper vor allem, vor ­allem die italienische, und da vor allem einer: Leo Nucci.


Leo Nucci, seit dreißig Jahren ein führender hoher und zumal Verdi-Bariton, ein vorzüglicher unter manch anderen vorzüglichen. Aber innerhalb seiner Fachbranche und wohl der italienischen Oper ingesamt: der größte, der beste Schimpfer womöglich der letzten hundert Jahre.
Unübertroffen schimpfte Nucci und schimpft wohl noch immer als der vermutlich enormste Dummkopf der italienischen Oper, als Don Carlo in Giu­seppe Verdis «Forza del destino»: als rächender oder zumindest rachewilliger, ja rachesüchtiger Bruder und späterer Grenadieroffizier, dem die Macht des Schicksals den Vatermörder Don Alvaro über den Weg führt. Obwohl der Mord eigentlich gar keiner war, sondern blinder Zufall, und obschon ...

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Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Porträt, Seite 68
von Eckhard Henscheid

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