Die Oper seines Lebens
Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu haben, dann die Krise, schließlich die Katastrophe – alles dokumentiert auf Zetteln, mit denen sich der Komponist, der nach einem Luftröhrenschnitt nicht mehr sprechen konnte, seiner Umgebung mitteilte: ein großes Drama.
Dann auch noch die letzten Worte mit zittriger Hand gekritzelt: «Elvira, arme Frau, zu Ende». Elvira, das war seine Gattin, mit der er über Jahrzehnte in kleinen und größeren Kriegen verbunden gewesen war. Wie sich hier Mitleid, ein letztes Mal aber auch ein Selbstgefühl äußert, das Puccini lebenslang auszeichnete: eine große Szene. Keiner hätte sie besser vertonen könne als er. Wir sehen Mimì vor dem inneren Auge, Cio-Cio San, Liù. Alles Frauen, die der Komponist auf der Bühne sterben ließ, dass es einem das Herz zerreißt. Wenn Jörg Handstein in seiner Hörbiographie nun den Bericht vom Hinscheiden Puccinis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Clemens Haustein
Der Etat gäbe es her. Kelch, Speer, etwas rote Farbe für die Wunde, all das könnte sich das Landestheater Niederbayern schon leisten – auch wenn man naturgemäß klamm ist. Allein: Nichts davon ist zu sehen in diesem «Parsifal». Als Amfortas am Altar steht und das verdeckende Tuch wegzieht, ist da: nichts. So entzückt die Ritter auch die Leerstelle betrachten und ihr...
Beim Betreten des Zuschauerraums ist das Saallicht halb eingezogen. Der geöffnete Vorhang zeigt eine menschenleere Bühne, einen quadratischen Raum, begrenzt von drei stumpf-silbernen Wänden, entworfen von Mirek Kaczmarek. Noch bevor das Orchester gestimmt ist, der Dirigent den Graben betreten hat, kommen nacheinander Männer und Frauen in strengen Büroanzügen...
Gegensätzlichere musikalische Welten sind kaum zu denken – hier die klassische Barockoper, dort das alle klanglichen Gesetzmäßigkeiten sprengende expressionistische Monodram. Und doch ist es der Bremer Aufführung gelungen, beide Werke zu einem Abend von eindringlichster Wirkung zusammenzuschweißen. Der Vorteil: Purcells «Dido and Aeneas» und Schönbergs «Erwartung»...
