Die Oper seines Lebens
Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu haben, dann die Krise, schließlich die Katastrophe – alles dokumentiert auf Zetteln, mit denen sich der Komponist, der nach einem Luftröhrenschnitt nicht mehr sprechen konnte, seiner Umgebung mitteilte: ein großes Drama.
Dann auch noch die letzten Worte mit zittriger Hand gekritzelt: «Elvira, arme Frau, zu Ende». Elvira, das war seine Gattin, mit der er über Jahrzehnte in kleinen und größeren Kriegen verbunden gewesen war. Wie sich hier Mitleid, ein letztes Mal aber auch ein Selbstgefühl äußert, das Puccini lebenslang auszeichnete: eine große Szene. Keiner hätte sie besser vertonen könne als er. Wir sehen Mimì vor dem inneren Auge, Cio-Cio San, Liù. Alles Frauen, die der Komponist auf der Bühne sterben ließ, dass es einem das Herz zerreißt. Wenn Jörg Handstein in seiner Hörbiographie nun den Bericht vom Hinscheiden Puccinis ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Clemens Haustein
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