Die Kunst kommt am Abend
Das passiert einfach
Matthias Spenke
Ich bin eher ein sesshafter Typ, ich wollte nicht als Solist von Stadt zu Stadt reisen. Also habe ich direkt nach dem Studium an der Komischen Oper vorgesungen, und es hat sofort geklappt. Ich hatte mir schon vorher einige Inszenierungen an der Komischen Oper angesehen und wusste, dass mir das Spaß machen würde. Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Chor, Orchester und Solisten, wir arbeiten alle an dem gemeinsamen Produkt. Dabei ist der Dirigent des Abends sehr wichtig.
Wir haben auch schon Dirigenten gehabt, die einfach nicht an der Bühne interessiert waren. Es gab einige Vordirigate für die Kapellmeisterstelle, und am Anfang des zweiten Akts von «La Bohème» merkt man auch im Chor sofort, ob der was kann oder ob das auseinanderfliegt. Kirill Petrenko hat immer alles vorbildlich klar gezeigt, da konnten wir wirklich jedes Detail ablesen. Wir sind auch darstellerisch sehr gefragt, da kann man vieles solistisch machen. In größeren Chören steht man bloß in der mittleren Reihe und singt, das finde ich nicht so toll. Die Gefahren sind dadurch allerdings auch größer. Im Mai bin ich in einer Aufführung des «Barbier von Sevilla» aus der ersten ...
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Träume. Theater hat immer etwas von Traumwirklichkeiten. Grundsätzlich ist «Alice in Wonderland» ein Traum und ein Traumgeschehen. Insofern liegt es nahe, Carrolls Traumbuch zu dramatisieren, also in Bilder, in eine Bühnenwirklichkeit und ein handlungsstringentes Geschehen zu transformieren. Ich denke, das Musiktheater eignet sich dafür optimal, und zwar deshalb,...
Zur Galionsfigur eines soziokulturellen Aufbruchs, wie sein Kollege Gustavo Dudamel, taugt der lettische Dirigent Andris Nelsons kaum. Kein fotogener Lockenkopf, kein schäumendes Temperament, kein kunterbuntes Jugendorchester, das sich politisch korrekt vermarkten ließe. Und auch keine mächtige Plattenfirma, die, flankiert von Promi-Mentoren wie Simon Rattle oder...
Ein Essay über «Mendelssohn und die Oper» könnte knapp ausfallen, ja wäre letztlich uninteressant, hielte man sich – wie dies im Falle der Instrumentalkompositionen, Oratorien oder Lieder selbstverständlich ist – an das Faktische: an Opern, die vollendet und von Mendelssohn der Nagelprobe des öffentlichen Urteils ausgesetzt worden sind. Man hätte es mit lediglich...
