Last Exit Bismarckstraße
Medienerfolg als Krisensyndrom. Selten brachte es ein Opernhaus so rasch zu Schlagzeilenruhm in internationalen Zeitungen wie die Deutsche Oper mit dem sogenannten «Idomeneo-Streit». Doch damit nicht genug. Kurz darauf lief der «Jägerchor» in der Premiere des «Freischütz» seinem (Chef-) Dirigenten Renato Palumbo gnadenlos davon. Das verwackelte Ergebnis kursierte als Audio-Datei im Internet.
Schließlich war das Medienecho zum Regie-Einstand von Kirsten Harms zu Beginn der Saison mit Alberto Franchettis «Germania» zwar riesig – nur leider zumeist negativ (zu dieser Aufführung siehe auch Seite 46).
Ergebnis: Die Gesamt-Performance der Deutschen Oper wird in diesem Jahrbuch als «Ärgerlichste Opernerfahrung des Jahres» verbucht. Ob die Kaskade der Peinlichkeiten eine Trendwende einläuten könnte, das fragt man sich besorgt – und zwar nach Jahren prekärer Schlingerei an der Berliner Bismarckstraße.
Keine Frage, dass hinter dem Problem auch eine Problemfigur steht: Intendantin Kirsten Harms. Sie kam beim Eklat um die Absetzung von Hans Neuenfels’ «Idomeneo» erstaunlich ungeschoren davon. Nur: Sie selbst hatte die Katastrophe herbeigeführt. Die Empfehlung eines Berliner Innensenators, ...
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Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie...
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