Die Kunst des Dialogs
Wir stehen wieder im Stau, diesmal auf der A59 mitten durch Duisburg. Seltsam, wie gleißend die Sonne noch im September sein kann. Der Binnenhafen mit seinen Lagerhallen und Fahrkränen liegt unter einer weißen Dunstglocke, hinter uns der Ort der Katastrophe bei der Loveparade von 2010, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, ein tragischer Schnitt durch die Geschichte der Stadt am Rhein.
Und gleich taucht am Kreuz Duisburg eine weitere historische Erinnerung auf, in Gestalt von zwei hoch aufragenden Skulpturen, die über die kriechende Blechlawine hinweggrüßen: die Doppelplastik «Begegnungen» von 1964, mit der hier, tief im Westen, an die deutsche Teilung gemahnt wird.
Immer wieder begegnet man im Ruhrgebiet solchen Zeichen des Gewesenen, die in die harte Realität hineingepflanzt sind, ihr historische Tiefe und Perspektive geben. Und deshalb ist es sinnvoll, das größte Kunst- und Theaterfestival der Re-gion, die Ruhrtriennale, nicht in neuen, piekfeinen Kulturtempeln stattfinden zu lassen, sondern an Orten, wo einst Schweiß und Schmutz die Körper schwer arbeitender Werktätiger bedeckten. «Wer das Ruhrgebiet nicht kennt, kennt Deutschland nicht wirklich», sagt ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Michael Struck-Schloen
16 Metallbetten rahmen die Spielfläche, und 16 Küchentische. An langen Seilen pendeln 16 tuchverhangene Wiegen träge aus dem Schnürboden. 16 Uniformen warten auf ihre Träger, die sich wenig später aus den Federn schälen. Und 16 Frauen schälen Kartoffeln. In ihrer Mitte thront die alte Burya in strengschwarzem Pomp, mit einer Reitgerte fuchtelnd. Die Szene erinnert...
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