Helden wie er
Gefragt, welcher griechische Künstler des 20. Jahrhunderts einem spontan als «prägend» in Erinnerung sei, werden womöglich nicht wenige ihn als ersten nennen. Und dies aus gleich zwei Gründen: einem musikalischen und einem politischen. Denn wie kaum ein anderer hat Mikis Theodorakis kompositorische Wirksamkeit gesucht (und gefunden) und zugleich als Homo politicus agiert – als Aufrührer, Volksheld, bisweilen sogar als Schmerzensmann. Und mag auch Bertolt Brecht triftig gespottet haben, das Volk sei nicht «tümlich», so war Theodorakis’ «Volkstümlichkeit» doch unbestreitbar.
Vergleichbar war er darin am ehesten mit Ennio Morricone, dessen Mundharmonika-Blow-up «Spiel mir das Lied vom Tod» ebenso zur tönenden Kino-Ikone wurde wie der Sirtaki, den Anthony Quinn 1964 in «Alexis Sorbas» tanzte. Mit ihm wurde Theodorakis identifiziert und für ihn gefeiert.
Dies freilich mit gleich zwei gravierenden Unterschieden: «Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch’ Lied. Ein leidig’ Lied!» Branders Auerbach-Keller-Spruch aus Goethes «Faust» wurde für das auf höchste Kulturwerte eingeschworene deutsche Bildungsbürgertum fast zum Leitsatz. Noch im Konflikt zwischen Schönberg und seinem abtrünnigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: In Erinnerung, Seite 58
von Gerhard R. Koch
Wanderer, kommst du nach Macerata, begegnet dir das Wissen – und noch einiges mehr. Die mittelalterliche 40.000-Einwohner-Stadt, rund 50 Kilometer südlich von Ancona gelegen, ist nicht nur Sitz der 1290 gegründeten Universität; dort wurde zwischen 1823 und 1829 zudem ein für Europa einzigartiges, geschlossenes Stadion gebaut, das «Sferisterio». Entworfen hatte es...
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch...
Fast zeitgleich donnern auf vier Berliner Bühnenbretter die Schicksalsschläge der griechischen Tragödie: Ödipus’ Verhängnis. Und keine Spielplanpanne: Zwei Schauspiel- und zwei Opernhäuser der Hauptstadt nutzen die Mythensaga, das Lebensdrama des unschuldig-schuldigen Mannes, punktgenau zur Saisoneröffnung. Da entsteht die Frage: Ist das Theatertrauerspiel für...
