Die Kinder des Orpheus
Wäre Robert Musil Zeuge dieses in vielerlei Hinsicht aufschlussreichen Abends geworden, er hätte vermutlich ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt. Wieder einmal waren sich hier jene zwei Wesenheiten (oder auch: Denk- und Existenzmodelle) begegnet, die Musil in seinem unvollendeten Roman «Der Mann ohne Eigenschaften» so kongenial hatte aufeinander stoßen lassen: der «Wirklichkeitssinn» und der «Möglichkeitssinn».
Als Chiffren für den schier unlösbaren Antagonismus aus fantasielos-tumbem Gebaren hier und gedankenvoller Lebensidee dort, von Musil mit der ihm eigenen literarischen Grandezza ausgeführt, ließen sich diese Wortschöpfungen als Synonym auch für ein Phänomen gebrauchen, welches die zeitgenössische Musik seit langem begleitet – gleichsam stellvertretend für ein grundlegendes Missverständnis ambitionierter Kunst gegenüber. Sucht diese, auch mit dem Wissen um die Gefahr des Scheiterns, nach der Ausdehnung ihrer Mittel, so scheint eben dieser Versuch einer Ausdehnung eine enorme geistige Beschränkung bei denjenigen auszulösen, die dem Neuen a priori mit Entschiedenheit ablehnend begegnen. Konkret auf das, was in Hannover geschah, bezogen: Es hätte nicht viel gefehlt, und der ...
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Wer den Namen José María Usandizaga noch nie gehört hat, braucht sich dieser Bildungslücke nicht zu schämen und hat doch etwas verpasst – was er jetzt nachholen kann. Der Schüler von Vincent d’Indy wurde mit seiner ersten Oper «Mendi Mendiyan» (Hoch in den Bergen), die 1910 in Bilbao ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte, zum musikalischen Herold der baskischen...
Sie hielt vor allem das 18. Jahrhundert in Atem. Sie verzauberte Komponisten und Librettisten gleich reihenweise. Allein in den letzten drei Jahrzehnten, zwischen 1771 und 1796, sind fünfundzwanzig Vertonungen zu verzeichnen, die ihr huldigen: Andromeda, die Gefesselte und von Perseus Befreite. Der dem Mannheimer Kreis zugehörige Cannabich widmete ihr ein...
Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...
