Nackter Beton
«Elektra» unter äußerlich schwierigen Vorzeichen im «Kuppeltheater», der bühnentechnisch beschränkten Ersatzspielstätte in Kassel. Dominik Neuner hat dem reißenden Strom der Töne eine saubere, karge Inszenierung zur Seite gestellt. Die Bühne wird von großen Betonfragmenten einer zerbrochenen Welt beherrscht. Der Raum für die Personen ist stark eingeengt. Elektra haust in einer Höhle, der «Palast» der Klytämnestra wirkt wie ein Eingang in die Unterwelt.
Für das, was sich die drei Frauen zu sagen haben, reicht der Platz, sprechen sie doch nur jede für sich und an der anderen vorbei, die Mutter, die ihre üblen Träume nach draußen treibt, die Schwester Chrysothemis, die sich ein «Weiberschicksal» ersehnt, und natürlich die Titelheldin, für die es nur das Eine gibt, die Rache. Vertane Leben eins wie das andere. Neuner gelingt es nachvollziehbar, die Psychogramme dieses fatalen Terzetts zu skizzieren.
Kurz vor Schluss kommt dann der Moment, der alles auf einen Punkt bringt. Klytämnestra ist tot, Aegisth ist tot, Orest hat sein blutiges Handwerk verrichtet. Die machtlose Schwester, die ihm nicht einmal das Beil reichen konnte, das einst Agamemnon fällte, hat erreicht, worauf sie ...
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