Die indische Zauberflöte

Adams: A Flowering Tree Paris / Théâtre du Châtelet

Opernwelt - Logo

Nach dem grandiosen «Nixon in China» im Jahr 2012 und dem eher wackligen «I Was Looking at the ­Ceiling and Then I Saw the Sky» im Jahr 2013  setzt das Pariser Théâtre du Châtelet seinen John-Adams-Zyklus fort: mit der französischen Erstaufführung von «A Flowering Tree», der bislang letzten, 2006 in Wien uraufgeführten Oper des amerikanischen Komponisten. Den ­gesellschaftspolitischen Themen eines «Death of Klinghoffer» oder «Doctor Atomic» kehrte Adams den Rücken, indem er mit seinem langjährigen ­Librettisten Peter Sellars ein indisches Märchen vertonte.

Die junge Kumudha nutzt ihre Fähigkeit, sich in einen Baum zu verwandeln («Daphne» lässt grüßen), um dessen Blüten zu verkaufen: So kann sie ihrer armen Mutter helfen. Ein Prinz verliebt sich in den Baum, aber nur nach bestandenen Prüfungen der Trennung und des Schweigens bringt es die gegenseitige Liebe zustande, die beiden zu Menschen heranreifen zu lassen («Die Zauberflöte» lässt grüßen).

Dieses naive Moment, eines der Hauptmerkmale von Sellars’ Opernbüchern, hat etwas Rührendes, doch der Stoff findet nicht recht zu dramatischer Spannung und Entwicklung. Wir haben es eher mit lyrischen Szenen oder einem Oratorium zu tun: Ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Christian Merlin

Weitere Beiträge
Präzision und Leidenschaft

Vorbei sind die Zeiten, in denen einst klingende Namen wie Antonio Caldara und Leonardo Vinci allenfalls einigen Spezialisten oder besonders leidenschaftlichen Liebhabern der Barockoper vertraut waren. Vor ­einigen Jahren hat etwa Philippe Jaroussky mit seinem Album «Caldara in Vienna» nachdrücklich auf den großen Wiener Hofkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts...

Aus dem Leben eines Taugenichts

Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins ­Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte...

Der Teufel sitzt im Labor

Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend ­neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen...