Der Teufel sitzt im Labor
Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen Feldstudien betrieben zu haben, bevor er auf der Bühne der Nationale Opera ein High-Tech-Bio-Labor für die Reproduktion käuflicher Ladys eingerichtet hat.
Doch unter den alles verzeihenden Augen der nunmehrigen Prinzessin Beatrix werden hier nicht Nebeneinnahmen für einen subventionsgedrosselten Kulturbetrieb generiert, der Frontmann von La Fura dels Baus inszeniert Charles Gounods «Faust», der leicht an seiner eigenen Kulinarik scheitern kann und oft als Salonplüsch empfunden wird, einfach mit ein wenig Lokalkolorit.
Das passt nicht nur sehr gut, die famos chorsingenden Barbies aus den roten Reagenzvierecken mit ihren uniformen Blondschöpfen und Riesenbrüsten fügen sich perfekt in die austauschbare Konsumgesellschaft, als die hier das Volk auftritt. Die Studenten sind Fußballspieler, die walzertanzenden Osterspaziergänger ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Manuel Brug
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner...
Blumentapete? Die Marschallin hält in stilisiert neoklassizistischen Gemächern Hof. So könnte heute ein Design-Hotel aussehen. Die pastellfarbenen Wände tragen großformatige Lilien – ein Adelssignet. Sophies Zimmer hat Paul Steinberg ebenfalls floral dekoriert, diesmal bürgerlicher, Richtung Jugendstil. Blumen auch im Beisl: ein psychedelisches 60er-Jahre-Muster....
