Die Hoffnung stirbt zuletzt
Im Juni 2019 gab das Teatro Regio in Turin die kommende Spielzeit vor einer Kulisse internen Chaos bekannt. William Graziosi, umstrittener Intendant des Hauses, wurde von den eigenen Mitarbeitern mit einem Buh-Sturm überzogen, während Artistic Director Alessandro Galoppini tosenden Jubel erntete, als er das Programm im Einzelnen vorstellte. Gegenüber Journalisten erklärte er: «Wenn [Graziosi] bleibt, werde ich gehen.» Ein Mitarbeiter verlas ein von 100 Mitgliedern der Belegschaft unterzeichnetes Schreiben, in dem es hieß, dass man das Vertrauen in Graziosis Management verloren habe.
Es war «ein surrealer Moment», schrieb der «Corriere della Sera», von «einem Aufstand» berichtete «Il Giornale».
Ein Jahr später holen Graziosi die Ereignisse ein: Die italienische Justiz ermittelt gegen den ehemaligen Sovrintendente wegen vielfachen Betrugs. Einer Anklage zufolge soll Graziosi von dem in Lugano ansässigen Künstleragenten Alessandro Ariosi dafür bezahlt worden sein, dass er die vertragliche Abwicklung von Sänger-Engagements dessen Büro zuschanzte. Ariosi habe seine Einnahmen auf diesem Wege im vergangenen Jahr um 500 000 Euro steigern können, von 200 000 auf 700 000 Euro, berichtete ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Reportage, Seite 40
von James Imam
Das Stück passt in die Zeit. Ein Gespinst aus porzellanen Klängen, dass in hauchdünnen, zärtlich-zartbitteren Tönen die tiefste Krise menschlicher Existenz beschreibt – eine Liebe, die in den Tod führt. Doch reicht sie eben auch über ihn hinaus, diese Liebe: als Utopie. Frank Martins «Le vin herbé», 1942 konzertant uraufgeführt, sechs Jahre später bei den...
Ein bisschen kräftiger dürfte das espressivo schon sein. «Fülle, Fülle», ruft Marek Janowski den Streichern zu, als es zu Beginn des zweiten Akts in den Kerker geht. Und pochen soll der Rhythmus nach Florestans Verzweiflungsschrei: «Gott, welch Dunkel hier!» Mehr «Substanz» fordert der 81-jährige Maestro später von den ersten Geigen und den Bratschen. Als wolle er...
Es ist verrückt, absurd, abgefahren. Aber in den letzten Tagen, Wochen, Monaten habe ich nicht nur einmal von Shylock geträumt. Von diesem eigenwilligen, selbstsüchtigen Mann, der zu Beginn von Shakespeares «Kaufmann von Venedig» wie ein (kapitalistischer) Triumphator auf dem Rialto erscheint und am Ende des Stücks, das nur äußerlich vorgibt, eine «Komödie» zu...
