Die Hoffnung stirbt zuletzt

Korruption, Missmanagement, politische Kungeleien: Italiens Opernlandschaft scheint in einem permanenten Krisenstrudel gefangen. Jüngster Problemfall: das Turiner Teatro Regio. Aber es gibt auch Anzeichen für eine Wende

Im Juni 2019 gab das Teatro Regio in Turin die kommende Spielzeit vor einer Kulisse internen Chaos bekannt. William Graziosi, umstrittener Intendant des Hauses, wurde von den eigenen Mitarbeitern mit einem Buh-Sturm überzogen, während Artistic Director Alessandro Galoppini tosenden Jubel erntete, als er das Programm im Einzelnen vorstellte. Gegenüber Journalisten erklärte er: «Wenn [Graziosi] bleibt, werde ich gehen.» Ein Mitarbeiter verlas ein von 100 Mitgliedern der Belegschaft unterzeichnetes Schreiben, in dem es hieß, dass man das Vertrauen in Graziosis Management verloren habe.

Es war «ein surrealer Moment», schrieb der «Corriere della Sera», von «einem Aufstand» berichtete «Il Giornale».

Ein Jahr später holen Graziosi die Ereignisse ein: Die italienische Justiz ermittelt gegen den ehemaligen Sovrintendente wegen vielfachen Betrugs. Einer Anklage zufolge soll Graziosi von dem in Lugano ansässigen Künstleragenten Alessandro Ariosi dafür bezahlt worden sein, dass er die vertragliche Abwicklung von Sänger-Engagements dessen Büro zuschanzte. Ariosi habe seine Einnahmen auf diesem Wege im vergangenen Jahr um 500 000 Euro steigern können, von 200 000 auf 700 000 Euro, berichtete ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Reportage, Seite 40
von James Imam