Die Hölle Ehe
Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht – als Koppelung von Ruggero Leoncavallos «Pagliacci» mit der vergessenen Kurzoper «L’Oracolo» von Franco Leoni (1864–1949), endlich einmal nicht mit dem ewigen Opernzwilling, Mascagnis «Cavalleria rusticana».
Der Star in einer ungewohnten Doppelrolle, dazu ein Aufbrechen programmatischer Konvention, das klang verheißungsvoll. Doch es kam anders. Gegeben wurde das übliche Doppel, bei dem Kaufmann am Ende nurmehr den Canio übernahm. Und warum dieser Rückschritt? Wer ins Haus hineinhorcht, registriert vor allem eines: Man ist nicht amüsiert.
100 Luftlinienkilometer weiter südlich war man mutiger, vor allem erfolgreicher: «Pagliacci» ja, sogar vor der Pause. Doch dann riskierte das Tiroler Landestheater Schönbergs Einakter «Von heute auf morgen». Und siehe da: Das Innsbrucker Publikum, das gerade sehr zurückhaltend ge ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger...
Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid», singen Báron Pista und die Generalkonsulstochter Lya in einer der bekanntesten Nummern der «Frau von Format», die damals aus vielen Grammophonen tönte. 1927 kam die revueartige Operette am Berliner Theater des Westens heraus. Und natürlich ist weder Pista ein echter Baron noch Lyas Vater ein echter Generalkonsul: Wie...
Ein Orchester geht in Aufstellung. Die Streicher nach vorne, dahinter Blech- und Holzbläser, die Pulte akkurat im Halbkreis aufgereiht. Es erklingen die ersten Takte von Beethovens «Eroica». Da geschieht das Unerwartete: Eine Geigerin reißt ihr Notenblatt vom Pult. Andere folgen ihrem Beispiel. Immer mehr Notenblätter wirbeln durch die Luft, immer mehr Pulte fallen...
