Verdi: Otello
Auf riesiger, dreiteilig den ganzen Bühnenraum begrenzender Foto-Tapete ist im Augsburger «Otello» ein brausendes Meer gemalt (Bühne und Kostüme: Markus Meyer). So spiegelt die stets gegenwärtige Brandung zeichenhaft die immer aufgewühltere Seele Otellos, dem man Eifersucht beharrlich in die Ohren träufelt. Wie Anthony Pilavachi schon den von Wind und Wetter gepeitschten Chor zur Musik rhythmisiert über die Bretter wogen lässt, zeigt einen ebenso realistisch zupackenden wie theatralischen Zugriff.
Auch der Wechsel von Massenszenen und intimen Begegnungen in einer modernen Wohnlandschaft gelingen dem Regisseur ausgezeichnet, selbst Nebenfiguren wie Rodrigo (Robert Sellier) und Ludovico (Greg Ryerson) offenbaren erstaunliche Bühnenpräsenz. Nur am Ende zerfranst die Aufführung etwas unter einem Meer von mehrfach umdrapierten Grablichtern.
Pilavachi hat mit dem wahrhaft dämonisch singenden Riccardo Lombardi als Jago, dem dunkel timbrierten Jeroen Bik als Otello (dem die Höhe zu schaffen macht, am Ende aber ein überzeugend fahler Ton zur Verfügung steht), und einer immer schöner und erfüllter singenden Magdalena Bränland (Desdemona) ein Solisten-Trio zur Verfügung, das seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um das designergestylte Programmheft zu paraphrasieren: Ein Mord ist geschehen. Täter: Mann, 46 Jahre alt. Opfer: Bizets «Carmen». Grund: «Ich wollte sie nicht einfach umbringen; ich wollte ihre Schönheit zerstören.» Sebastian Nübling hat bei seinem Operndebüt gleich mehrfach zu den zähesten Klischees des Regietheaters gegriffen. Also zeigt schon der Anfang in...
In der Avenue Montaigne ist die Welt noch in Ordnung. Fünf-Sterne-Hotels, Nobelkarossen, Edelboutiquen von Chanel bis Louis Vuitton – ein Boulevard des Luxus und der Moden. Die Tristesse der Banlieues ist weit weg, das süße Leben zum Greifen nahe. Bei Valentino, gleich neben dem Bühneneingang des Théâtre des Champs-Élysées, kostet die Abendrobe für die...
Der Opernkomponist Nikolai Rimsky-Korsakow muss zumindest hierzulande immer noch abbüßen, dass er den Werken seines genialeren Jugendfreundes Mussorgsky mit geschönter Instrumentation meinte aufhelfen zu müssen. Dabei hat Rimsky durchaus Eigenes zu bieten, so die in jüngster Zeit mehrfach gespielte antizaristische Märchensatire «Der goldene Hahn» oder die jetzt...
