Die Glut der Koloraturen
Leider hat René Jacobs 1996 mit seiner sensationellen Aufnahme von Antonio Caldaras Oratorium «Maddalena ai piedi di Cristo» keine Caldara-Renaissance losgetreten. Wenn Philippe Jaroussky jetzt mit einem Recital erneut an den großen Venezianer (1670/1-1736) erinnert, wird wieder einmal deutlich, dass der Legrenzi-Schüler mit seinen 90 Opern sicher zu den farbigsten, fantasievollsten, unkonventionellsten und herzerfrischendsten Meistern des Genres gehört. «Caldara in Vienna» versammelt Arien aus zehn Opern des Spätwerks. Karl VI.
hatte den in Venedig, Mantua und Rom tätigen Komponisten 1716 als Vize-Kapellmeister an den Kaiserhof gerufen, wo er gemeinsam mit den Hofdichtern Zeno und Metastasio das Musikdrama des aufgeklärten Absolutismus schuf. Seine Melodieführung ist virtuos und absolut ungewöhnlich, schreitet sie doch sowohl in der Hauptstimme als auch in den Verzierungen immer wieder überraschend in entlegene Tonarten aus. Bereits Bach haben diese «gelehrten» Extravaganzen begeistert. Dabei sind sie in eine Melodiebildung und Instrumentation von weicher Geschmeidigkeit und Eleganz eingebunden.
Jaroussky hat sein Caldara-Porträt klug komponiert. Dramatische und lyrische Arien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bei der Uraufführung klang es nach Vorwurf. «Katja Kabanova» sei eine «realistische» Oper, hieß es damals. Sie sei darin gnadenlos und letztlich kunstfremd. Später wurde daraus ein Lob: Janácek, der genaue Beobachter, untrüglich der Wahrheit auf der Spur. Noch später war die Sache mit dem Realismus ein Klischee, das sich durch die Aufführungen zog und nur selten...
Ort und Zeit: Böhmen, kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. So steht es jedenfalls in Friedrich Kinds Libretto. Anders auf der Leinwand, da heißt es: Dresden, 1813. Überhaupt ist einiges anders in der Filmoper von Jens Neubert, die sich aus guten Gründen nicht einfach «Freischütz» nennt, sondern marktgerecht «Hunter’s Bride». Das einstige Kreuzchor-Mitglied...
Der spanische Filmregisseur Carlos Saura drehte 1972 den Spielfilm «Ana y los
lobos» («Anna und die Wölfe»): Ein englisches Kindermädchen, gespielt von Charlie Chaplins Tochter Geraldine, kommt auf einen großbürgerlichen Familiensitz; dort gebietet eine Matriarchin über drei Söhne, schwach und ihren Obsessionen verfallen. Der eine hat ein abstruses Faible fürs...
