Realgeschichte und Romantik
Ort und Zeit: Böhmen, kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. So steht es jedenfalls in Friedrich Kinds Libretto. Anders auf der Leinwand, da heißt es: Dresden, 1813. Überhaupt ist einiges anders in der Filmoper von Jens Neubert, die sich aus guten Gründen nicht einfach «Freischütz» nennt, sondern marktgerecht «Hunter’s Bride». Das einstige Kreuzchor-Mitglied spielt damit nicht allein auf den Titel an, den das dreiaktige Werk ursprünglich nach dem Willen seines Schöpfers hätte tragen sollen.
Er rückt auch die «Jägerbraut» wieder mehr ins Blickfeld des Betrachters, indem sie das «Vorspiel» zur Tragödie gleichsam am eigenen Leib erlebt: Von einem herabstürzenden Bild schwer getroffen, erwacht sie aus einem bösen Traum – traumatisiert in jeder Hinsicht.
Kein Wunder, die Zeiten sind unruhig. Noch hat Napoleon das Sagen, und es ist denn auch der Franzosenkaiser, der in einer späteren Szene den Vertretern Sachsens die Verträge diktiert. Von Frieden keine Spur. Immer wieder kommt es zwischen den gegnerischen Kompanien zu Kämpfen, und während Daniel Harding aus dem Off die Ouvertura dirigiert (mit vollem Körpereinsatz, wie man dem «Making of»-Material entnehmen kann), entwirft Neubert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist verlockend, aus der diesjährigen Saisoneröffnung an Roms Santa Cecilia eine kulturpolitische Botschaft herauszulesen. Gerade in dem Moment, da die Existenz der italienischen Opernhäuser durch die Sparpläne der Regierung gefährdet ist, bringt das Orchester der Hauptstadt mit Rossinis «Guillaume Tell» eine Oper, die zum Aufstand gegen Tyrannei und...
Berlins Opernhäuser machen wieder einmal von sich reden. Weniger, weil sie zuletzt auf künstlerischem Gebiet für Begeisterung gesorgt hätten, sondern weil die Musiker an zwei der drei großen Bühnen Aufführungen bestreikten. Mal fanden die Ballett-Fans an der Deutschen Oper nach der Pause einer «Schwanensee»-Vorstellung den Orchestergraben leer. Mal sah sich das...
Was tut ein Opernregisseur, wenn er Richard Wagners «Götterdämmerung» einem Theater als Einzelstück versprochen hat und danach unerwartet den gesamten «Ring des Nibelungen» angeboten bekommt? Auf das Einzelstück verzichten, auf den Zyklus verzichten oder gleich alles liefern? Der Australier Barrie Kosky, dem das Neinsagen offenbar schwer fällt, hat sich für die...
