Die Gegenwart zählt
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula Janowitz’ letzter Berührungspunkt mit dem Musikbetrieb: «2006 war absolut Schluss, auch keine Meisterklassen mehr – die habe ich übrigens immer musikalische Diskussion genannt.
» Das Wichtigste im Beruf, hat sie Anfängern geraten, sei, gut vorbereitet zu sein – damit einem keiner was nachsagen könne. Von Schallplatten rät sie beim Partienstudium ab. Bei einem Kurs sang eine Chinesin Schuberts «Nur wer die Sehnsucht kennt». Mehrmals habe sie unterbrochen, weil immer an der gleichen Stelle eine Punktierung fehlte. Schließlich fragte Janowitz: «Welche blöde Kuh haben Sie sich hundertmal angehört, dass das so falsch abgespeichert ist?» Schüchtern kam die Antwort: «Ihre Platte.» Janowitz lacht fröhlich. Zweiter Rat: nie Dirigenten angreifen, immer bitten, wenn man mal ein Tempo anders haben möchte: «Die können einen töten.»
Die ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Götz Thieme
Wäre nicht die Sprache, der Leos Janácek so sorgfältig den Tonfall nachkomponiert hat, könnte sich ein österreichischer Musikliebhaber in der zweitgrößten Stadt Tschechiens wie zu Hause fühlen: mit der Janácek-Oper (1965) und dem historisierenden Mahén Divadlo, 1882 als Deutsches Theater vom epidemischen Büro Helmer & Fellner entworfen.
«Genius Loci», mäßig...
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