Die Gegenwart zählt

Was macht eigentlich Gundula Janowitz? Im Gespräch mit Götz Thieme erinnert sie sich an ihre Opernzeit, an fruchtbare und weniger fruchtbare Künstlerehen – und weint dem Musikbetrieb keine Träne nach

Opernwelt - Logo

Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula Janowitz’ letzter Berührungspunkt mit dem Musikbetrieb: «2006 war absolut Schluss, auch keine Meisterklassen mehr – die habe ich übrigens immer musikalische Diskussion genannt.

» Das Wichtigste im Beruf, hat sie Anfängern geraten, sei, gut vorbereitet zu sein – damit einem keiner was nachsagen könne. Von Schallplatten rät sie beim Partienstudium ab. Bei einem Kurs sang eine Chinesin Schuberts «Nur wer die Sehnsucht kennt». Mehrmals habe sie unterbrochen, weil immer an der gleichen Stelle eine Punktierung fehlte. Schließlich fragte Janowitz: «Welche blöde Kuh haben Sie sich hundertmal angehört, dass das so falsch abgespeichert ist?» Schüchtern kam die Antwort: «Ihre Platte.» Janowitz lacht fröhlich. Zweiter Rat: nie Dirigenten angreifen, immer bitten, wenn man mal ein Tempo anders haben möchte: «Die können einen töten.»

Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
«Ich war immer skeptisch»

Herr Sawallisch, Ihr Bühnenabschied liegt sieben Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?
Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der...

Die Rheinfahrt auf dem Rio de la Plata

R egie: Katharina Wagner». Diese Ankündigung war noch zwei Tage vor der Premiere des «Colón Rings» im Buenos Aires Herald zu lesen, womit  gewissermaßen noch einmal der Finger in die Wunde gelegt wurde.

48 Stunden Bedenkzeit hatte sich die Argentinierin Valentina Carrasco, Mitglied der Theatergruppe La Fura dels Baus, ausbedungen für ihre Entscheidung, die Regie des...

Was kommt...

Andrea Breth mit La Traviata
Es kommt nicht oft vor, dass Andrea Breth Opern inszeniert. Und wenn, dann muss das gesamte Umfeld stimmen. In Brüssel hat sie diesbezüglich bei Katja Kabanova gute Erfahrungen gemacht. Nun bringt sie dort Verdis La traviata heraus. Ein Stück nach Wunsch.

Franz Josef Selig
ist ganz ohne Frage einer der führenden Bassisten unserer Zeit....