Apropos: Wer zuletzt lacht...
Mr. Britten (gestatten Sie mir diese prosaische Anrede), noch kurz vor Ihrem Tod im Dezember 1976 hat man Sie zum Baron erhoben. Wie fanden Sie das?
Ich bin noch heute ein unverbesserlicher Sozialist. Der Titel hat meinen Ansichten über den ungerechten Zustand unserer Welt keinen Abbruch getan. Ansonsten hat es mich geärgert, dass mich Prinz Philip schon zehn Jahre vor meinem Tod einen «alten Mann» nannte. Zehn Jahre vor meinem Tod! Unverschämt!
Gerade feiert die englische Yellow Press wieder fröhliche Urständ.
Sie selbst gerieten damals ins Kreuzfeuer. Man insinuierte eine homosexuelle Konspiration der Musik...
Darüber will ich nicht sprechen. Mein Leben mit Peter und meine Faszination von der Knabenschönheit sind Privatsache. Die Biografen können mich ja längst nicht mehr verletzen. Angeblich halten in Aldeburgh die Busfahrer bei meinem Haus, wenn ein Schulkind randaliert: «Pass bloß auf, wir bringen dich zum bösen Peter Grimes!». Geschwätz. So ist das eben.
Sie galten, Mr. Britten, von Anfang an als Wunderkind. Was – oder wer – hat Ihren Werdegang zum modernen «Orpheus Britannicus» beflügelt?
Sie werden es vermuten: meine Mutter. Auf dem Weg zu Morlings Musikalienhandel schwärmte ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Norbert Abels
Das Stadttheater Gießen steht gut da: Die Besucherzahlen stimmen, der Spielplan zeichnet sich durch Entdeckerlust aus. Ein Belcanto-Zyklus prüft selten gespielte Werke auf Repertoiretauglichkeit ab, Neues (Gala Gala von Marc-Aurel Floros) und Rares des vergangenen Jahrhunderts (Egk, Menotti und Barber) sind an dem kleinen Haus eher Regel als Ausnahme.
Zusätzlich...
Claude Viviers Musik ist vertraut und fremd, beruhigend und verstörend. In seiner 1978/79 komponierten, etwa 70-minütigen Oper Kopernikus treffen schwebende, tonale Klangflächen auf glissandierende Solostimmen, kantable Phrasen auf kindliches Gebrabbel, impulsive Attacken auf meditative Nachklänge. Viviers musikalische Erfahrungen auf einer langen Ostasienreise...
Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales...
