Auf nach Arkadien!
Der Ritter rast nicht, er schwelgt. In höchsten Tönen und mit tiefster Empfindung besingt Ruggero die Liebe zu seiner Auserwählten, der gleichermaßen aparten wie blaublütigen Bradamante, und um seine werbende Huldigung zu zementieren, hat er sich für sein Solo «Sol per te, mio dolce amore» noch eine transzendierende Traversflöte hinzu erbeten.
Zarte Arabesken in die Luft malend, fliegt diese nun vor ihm her, wie ein schöner, in vielen Farben schimmernder Schmetterling, davon beflügelt hebt bald auch der von Amors Pfeil Getroffene zu einer der schönsten, innigsten Arien aus Antonio Vivaldis Dramma per musica «Orlando furioso» an. So oder so ähnlich
muss Arkadien geklungen haben: sanftmütig wie jene Winde, die über dem Schauplatz der Glückseligen hinwegstreichen.
Sucht man nach einer dafür geeigneten Stimme, wird man schnell fündig: Paul-Antoine Bénos-Djian gebietet nicht nur über die nötige Stilsicherheit und das entsprechend verführerische Timbre, sein sanftmütiger, in jedem Takt wohldosierter, dezenter Countertenor besitzt vor allem die nötige Leichtigkeit, um Ruggeros Schwärmerei in Töne zu fassen. Nicht in einem Takt überschreitet Bénos-Djian dynamische Grenzen, nie wirkt seine ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 43
von Jürgen Otten
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